Joker auf 4K Blu-ray im Test: Das erhoffte Meisterwerk?

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Bildqualität (80%)

Man hätte aufgrund der Thematik durchaus annehmen können, dass Todd Phillips seinen Joker analog filmen lässt. Und eigentlich wollte er das ursprünglich auch. Vor allem eben, um den Vorbildern, an die sich der Film optisch und thematisch anlehnt, gerecht zu werden. Da Phillips aber in 70mm drehen wollte, lehnte Warner das Vorhaben ab. Bei Vergleichsaufnahmen zwischen 35mm Film und der Alexa 65 entschied man sich dann doch für die flexibler einsetzbare Digitalkamera. Zusätzlich zur Alexa 65 gesellten sich noch Aufnahmen mit der Alexa Mini und der Alexa LF. In Summe lagen drei unterschiedliche Auflösung von 3.4K, 4.5K und 6.5K an, die über ein 4K Digital Intermediate auf die UHD gelangten. Wir haben es also weitgehend mit einem nativen 4K-Material zu tun. Hinzu kam ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum sowie die höheren Kontrastdynamiken nach HDR10 und Dolby Vision.

In der Praxis merkt man von der Zunahme an Auflösung allerdings nur bedingt etwas – sieht man davon ab, dass das Bild generell laufruhiger und etwas glatter erscheint. Die kurze Korn-/Rauschattacke im Himmel bei 19’20 kann aber auch die ruhigere UHD nicht verhindern. Und schaut man ganz genau hin, bzw. geht ganz nahe an den Screen, kann man schon mal den Eindruck haben, dass die 4K-Scheibe in der Tiefe auch softer und weniger gut aufgelöst ist. Gut zu erkennen bspw. bei der „Exit Only“-Aufschrift nach 56’19. Ob die UHD hier aber wirklich bewusst softer gemacht wurde oder die BD doch deutlich nachgeschärft ist, lässt sich nur schwer sagen.

Über weite Strecken ist das Bild trüb und stark stilisiert. Die UHD gibt das authentisch wieder

Beiden Disks (BD und UHD) gleich sind komplette Aufnahmen, die fast doppelkonturig-unscharf erscheinen. Vor allem De Niros Gesicht in der Show mit Arthur Fleck betrifft das mitunter sichtbar. In puncto HDR-Grading sind die Unterschiede vor allem bei den Spitzlichtern eher gering. Hin und wieder läuft Arthur unter Neonröhren hindurch, die durch das HDR prägnanter und dynamischer wirken. Die UHD ist allerdings insgesamt deutlich dunkler abgestimmt. Während das auf hellen Teilbereichen für eine etwas bessere Durchzeichnung sorgt, sind Schwarzwerte grundsätzlich nicht viel knackiger. Ab und an hat man hier eher das Gefühl, sie kommen leicht aufgehellt zum Betrachter. Was die Farbgebung angeht, ist der Gebrauch von deutlich intensiveren Farben bewusst zurückhaltend genutzt worden. Orange und Rot sind zwar etwas kräftiger, aber nicht in dem Maße, was der erweiterte Farbraum hergeben würde. Natürlich hat man das hier aber auch bewusst reduziert abgeliefert, um der Stimmung und Atmosphäre dienlich zu sein. Dolby Vision präsentiert den Film mit etwas mehr Durchzeichnung in dunklen Bereichen, liefert aber ein sichtbar grünlicher eingefärbtes Bild ab. Zum Film selbst passt das sehr gut und ist vielleicht sogar der intendierte Look der Macher.

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10 KOMMENTARE

  1. Wir sollten uns doch wieder auf das verständigen, um das es hier doch eigentlich geht. Der Film als solches. Ob das Bild Hi Tech oder weniger gut ist, kann doch nur bei der Auswahl der Variante hilfreich, oder auch nicht sein? Das ist doch auch völlig von der Ausstattung der eigenen Anlage bei jedem Einzelnen hier abhängig. Timo gibt eine persönliche Bewertung, gesehen mit seiner Technik und seinem Eindruck des Streifens. Jeder ist doch wohl in der Lage sich, wenn er den Film zu Hause sieht, selbst ein Urteil zu fällen. Und damit sollte man auch in der Lage sein, Timos Meinung zur Kenntnis zu nehmen. Und mehr nicht.

  2. Hier wird sich so sehr über das Selbstmitleid und das Verständnis über Gewalt ausgelassen ohne die Gegenseite zu betrachten. Nein, das was Arthur hier durch macht zeigt das was unsere heutige Gesellschaft durch Mobbing und Ausgrenzung mit einem Menschen machen kann. Es sollte eher als Warnung an unsere Gesellschaft gesehen werden. Man erntet was man säht. Und ja, es ist kein übertriebener Selbstmitleid, es ist das was diese Menschen tatsächlich empfinden und durch machen. Was aber nicht die Gewalt entschuldigen darf, sie aber erklärt.

  3. Interessant, dass Bild und Ton hier nur mit 80 bewertet werden.
    Andere Reviews (u.A. von John Archer von Forbes) beschreiben sowohl Bild, als auch Ton als „reference grade“.

    Finde ich tatsächlich interessant, dass die Meinung hier so stark auseinander geht. Oder hat die US Version (die benutzt John Archer) ein komplett anderes Master als die deutsche Version? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

    Muss ich mir dann wohl mal selber kaufen und selbst ein Bild von machen.

    • Nicht jedes Review scheint bisweilen so genau hingesehen zu haben.
      Alleine die deutlichen Unschärfen, bzw. fast schon leichten Doppelkonturen während der Murray Franklin Show vor dem Finale (man beachte hier De Niros Gesicht) haben hier zu einer Abwertung geführt. Dazu ist die Durchzeichnung in dunklen Szenen nicht perfekt. Und tatsächlich wirken fein(st)e Details in der Tiefe des Bildes gegenüber der BD teils sogar etwas schlechter aufbereitet. Dafür fehlen allerdings die Artefakte rund um Schriften und Objekte, welche die BD bei näherem Hinsehen offenbart. In Summe fehlt hier zu einem Referenzbild dennoch ein Stück.

      • Ist ja auch nicht nur John Archer der das so getestet hat.
        Deswegen war ich ja auch gerade verwundert. Hab es jetzt dank Corona nicht mehr pünktlich in den Markt geschafft, um mir den Film selber zu kaufen. Aber dann werde ich ihn wohl in der nächsten Zeit online bestellen ^^ Sofern er dann noch ankommt.

          • Die Gefahr hat man natürlich immer.
            Mir ist es hier halt besonders aufgefallen, dass
            speziell in den USA und GB die UHD BR ziemlich gut bewertet wurde. Im AVS Forum hat die bspw. auch exzellent abgeschnitten.
            Die deutschen Reviews (areadvd oder eben hier) sind da tatsächlich wesentlich schlechter.

            Unterm Strich kann das ja eigentlich nur heißen, dass die Leute im Außland entweder keine Ahnung haben oder wir hier echt ein qualitativ schlechteres Medium serviert bekommen haben als in anderen Ländern.

            Bei Areadvd wurde sogar klar gesagt:
            „[…]insgesamt bietet der Film leider nur eine dürftige Bildqualität[…]“

            AVS Forum sagt:
            „It comes to Blu-ray from Warner Brothers Home Entertainment featuring faithful, reference quality video […]“

            Forbes:
            „[…]shade and color nuance of this singular vision reproduced pretty much perfectly on this reference grade 4K Blu-ray release.“

            hdmoviesourcebluray:
            „This will more than likely be 2020’s REFERENCE disc, I know it’s early but I’d be shocked in anything in 2020 is going to be the beauty of this movie.“

            highdefdiscnews.com:
            „Joker has one excellent looking 4K visual presentation well-worthy of a perfect 5 rating for video quality.“

            thedigitalbits:
            „Video Grade: A+“

            ultrahd.highdefdigest.com:
            „All things considered, this is a gorgeous and recommended upgrade over the Blu-ray.“

            http://www.hidefninja.com:
            „The video transfer is perfect and so is the audio.“

            blurayreviews.ch (CH Version?):
            „Durchgehend hervorragendes, auf 4K-Master basierendes Referenzbild.

            Ich finde das alles sehr mysteriös. Kann mir eigentlich nicht erklären, wieso bei so vielen Reviewern die Disc dann so gut abschneidet. Aber hierzulande dann scheinbar deutlich schlechter ist. Dass es kleine Differenzen gibt ist ja normal. Aber in dem Fall geht es wohl relativ stark auseinander.

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