Midway auf 4K Blu-ray im Test: Dolby Atmos in Bestform

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Test Midway 4K Blu-ray
Perfekter Dolby Atmos Sound trifft auf Hollywood-Patriotismus: Midway auf 4K Blu-ray
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Inhalt (70%)

Roland Emmerich mag es groß und opulent. Er mag es, wenn Dinge kaputt gehen und es dabei wahlweise raucht, feuert oder eiskristallisiert. Kein Wunder, dass er nach zahlreichen Ausflügen ins Fantastische oder zum Katastrophenfilm irgendwann auch mal im zweiten Weltkrieg landen würde. Ausgesucht hat er sich die als Wendepunkt des Pazifikkriegs bezeichnete Schlacht nahe der Midway-Inseln. Midway – Für die Freiheit beginnt geschickt, indem er das Logo des Filmverleihs langsam sepiafarben einfärbt und den Ton aus der Räumlichkeit hin zu einem monoartigen Wochenschau-Stil führt. Gefolgt wird das Ganze von Auszügen aus Roosevelts legendärer Quarantine Speech. Inszenatorisch leitet Emmerich vor der ersten Bombast-Szene über in ein ruhiges, von gegenseitigem Respekt getragenes Gespräch zwischen US-Marine-Attaché (hervorragend zurückgenommen: Patrick Wilson) und dem japanischen Marine-Admiral. Was diese Szene von Beginn an vermittelt (ungewöhnlich für Emmerichs Actionfilme), ist eine gewisse Ausgewogenheit. Anders als in allen anderen Filmen des Regisseurs gibt er dem Gegner ein Gesicht. Yamamoto, der gemäßigte General wird von Etsushi Toyokawa nuanciert dargestellt und steht dafür, dass der Feind eben auch Gefühle und Bedenken hat. Die Konzentration von Midway auf die Entwicklung der Geschichte und der Figuren, die nach dem spektakulären Angriff auf Pearl Harbor zunächst stattfindet, tut dem Film tatsächlich gut.

Dick Best entpuppt sich als kriegsentscheidender Pilot

Dann aber gibt’s doch noch diese typische Emmerich-Figur. Diesen strahlenden Helden, der selbst in der brenzligsten Situation noch mit lockeren Sprüchen dienen kann; der den Macho gibt und lieber als Fischfutter enden würde, denn als Kriegsgefangener. Ed Skrein spielt diesen Dick Best – und er nervt. Weit weg von Glaubwürdigkeit nimmt er den Krieg so locker, als spiele er eine Runde Schiffe versenken in seiner Kajüte. Außerdem lässt seine Charakterisierung keinerlei emotionale Bindung an die Figur zu. Die Überheblichkeit, mit der er in die Luftgefechte startet, macht ihn zum arroganten Individualisten, den man in einem Team lieber nicht haben möchte. Parallel dazu schaffen es zwei eigentlich vorzügliche Darsteller, weit unter ihren gewohnten Verhältnissen zu spielen. Während Woody Harrelson als Chester Nimitz klassisch fehlbesetzt ist, würgt sich Dennis Quaid als William Halsey die militärischen Standard-Sprüche aus der Tiefe seines Halses, als hätte er ein großes Stück Kautabak im Weg sitzen. Das ist Schauspiel hart an der Grenze zum Knallchargen-Niveau. Wirklich gut funktionieren deshalb vor allem die Nebenfiguren. Ein Luke Kleintank als Clarence Dickinson oder ein Nick Jonas als Bruno Gaido, beispielsweise. Sie bilden die Seele des Films und stehen für den Mut der einzelnen Flieger, die im Anblick der japanischen Übermacht nicht viel mehr waren als Kanonenfutter.

Die Schlacht muss neu geplant werden

Erstaunlich akkurat bleibt Emmerich in Kooperation mit seinem Drehbuchautor Wes Tooke bei der Schilderung der Fakten. Und das betrifft nicht nur die Figuren und Ereignisse an sich, sondern auch kleine Anekdoten. So integriert der Film sogar die Tatsache, dass Regisseur John Ford (Rio Grande) im Rahmen seiner Dienste für die Field Photo Unit vor Ort auf den Midways war und kurzerhand vom Kriegsgeschehen Aufnahmen machte. Aber auch Details wie den Hautausschlag Halseys, der den Admiral zu einer Behandlung in den USA zwang, während die Schlacht selbst stattfand. Ja, selbst der für den Film erfunden wirkende Einsatz von Bruno Gaido gegen den brennenden japanischen Mitsubishi-Bomber aus dem Geschütz der an Deck der Enterprise befindlichen SBD Dauntless hat so stattgefunden. Hauptsächlich war es Tooke aber wichtig, die Arbeit der auf Hawaii stationierten Kryptologen unter Layton und deren exzentrischem Vordenker Joseph Rochefort zu integrieren. Die Tatsache, dass ein regelrechter Streit zwischen seinen Interpretationen und jenen aus Washington ausbrach, ist ebenfalls verbürgt. Sogar das dargestellte Team aus Mitgliedern der Navy Bigband fußt auf Tatsachen. Ehrlicherweise zeigt man auch, dass das US-Militär seinerzeit maximal als fünftstärkstes galt (hinter den Briten, Deutschland, der Sowjetunion und Japan). Immer wieder explodieren Torpedos nicht oder führt Unerfahrenheit zu schweren Unfällen.

Eine Storyline, die deutlich zu kurz kommt

All das kleidet Midway – Für die Freiheit in packende Schlachtszenen, die gerade im Zweikampf der Flieger gegen die Flakgeschütze der Kriegsschiffe beeindruckende Action liefern. Bisweilen ist man hautnah dabei, wenn Dick in seinem Cockpit sitzt und im Sturzflug auf die japanischen Flugzeugträger zurast. Das Schlachtengetümmel, das in einem rund 30-minütigen Showdown gipfelt, ist schon spektakulär. Umso schöner wäre es gewesen, wenn man die letzten ein bis zwei Millionen hätte loseisen können, um die CGIs perfekter zu machen. Ab und an sind die Trickeffekte wirklich erschreckend billig geraten – vor allem, wenn Flugzeugs ins Wasser crashen oder animierte Menschen auf dem Flugzeugträger herum rennen. Wer das Bonusmaterial anschaut, weiß aber auch, dass viele individuelle Sets gebaut wurden, um nicht alles am Rechner und vor Greenscreen drehen zu müssen. Und in Summe funktioniert das schon sehr gut. Aufgrund mangelnder Abwechslung ist es aber auch leider irgendwann ermüdend. Dabei hätte es genau dafür Möglichkeiten gegeben. Denn eine der interessantesten Figuren, Jimmy Doolittle, begleitet der Film nur kurz und lässt ihn dann erst im Abspann wieder auftauchen. Zumindest im Ansatz zu zeigen, wie es ihm und seinem Team in China ergangen ist, hätte etwas Würze in die andauernden Luftgefechte gebracht.

Midway - Für die Freiheit (4K Ultra HD) (+ Blu-ray 2D)

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5 KOMMENTARE

  1. Ich fand die CGI wirklich unterirdisch, in 4K möchte ich mir das erst gar nicht antun. Das ist schon mal ein Grund die Scheibe nicht zu kaufen. Der andere, Dick Best. Würg. Oberflächig, kein Teifgang, schlecht gespielt. Find ich noch schlimmer als die mangelhafte CGI,

  2. Wozu 8K, wenn man es nicht mal schafft, Filme, die in höherer Auflösung aufgenommen wurden (hier 8K) in echtem 4K zum Zuschauer ins Heimkino zu bringen, er über alle technischen Voraussetzungen verfügt ?

  3. Was nützt ein toller Ton wenn wieder mal ein kriegsverherrlichende filmoper ist.können die nichts anderes als immer nur Mord und Totschlag.

  4. Du hast recht. Ton ist gewaltig gut, Referenz für deutsches Atmos!

    Das Bild der UHD… Au weia… Deine Schlussfolgerung in Sachen CGI würde ich unterschreiben. Hinzu kommt, die CGI wirkt streckenweise sehr billig.

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