TEST: Reservoir Dogs auf 4K UHD Blu-ray – Kultfilm erhält visuelles Upgrade!

Wir testen Resevoir Dogs auf 4K UHD Blu-ray! Quentin Tarantinos großes Debüt veränderte die Kinolandschaft nachhaltig. Macht die 4K Restauration den Film Reservoir Dogs noch besser?

Inhalt (90%)

Am 27. März 1963 erblickte ein Junge  mit irischen, italienischen und Cherokee-Wurzeln das Licht der Welt. Sowohl sein Vater, der als Filmschauspieler unterwegs war, die Familie aber früh verließ, als auch der neue Partner seiner Mutter, der den Jungen schon früh mit ins Kino nahm, weckten sein Interesse am Film. Die Rede ist natürlich von Quentin Tarantino. Vor allem die Tatsache, dass er in einem (eigentlich völlig ungeeigneten) frühen Alter in Filme mitgenommen wurde, die eigentlich fürs erwachsene Publikum gedacht waren (bspw. Beim Sterben ist jeder der Erste), formte ihn nachhaltig.

Seine Mutter antwortete auf Quentins Frage, warum er Filme sehen dürfe, die Gleichaltrige nicht zu Gesicht bekamen, dass es ihr mehr Sorgen machen würde, wenn er die Nachrichten schauen würde. Filme täten ihm nicht weh. Wahre Worte, die dem jungen Tarantino ermöglicht haben, zu einem der größten Filmfans des Planeten zu reifen. Kein Wunder, dass er von 1985 bis 1990 in einer Videothek namens „Video Archives“ arbeitete. Dort sprach sich schnell sein famoses Filmwissen herum, das den Besuchern des VHS-Ladens die eine oder andere filmische Überraschung beschert haben dürfte. Kein Wunder, dass der Regisseur später auf die Frage, ob er die Filmschule besucht hätte, mit „Nein, er hat sich Filme angeschaut“ antwortete.

Der Überfall geht richtig schief
Die Idee zu Reservoir Dogs kam ihm während der Zeit in den Video Archives. Seinerzeit kannte er bereits den späteren Filmemacher und -produzenten Roger Avary, der später gemeinsam mit Tarantino die Story zu Pulp Fiction entwickeln sollte. Reservoir Dogs wollte Tarantino eigentlich als noch günstigeren s/w-Film realisieren, doch das Skript gelang über Umwege zu Produzent Richard N. Gladstein und Harvey Keitel. Letzterer gab ebenfalls etwas Geld dazu und übernahm eine der Hauptrollen. Insgesamt kamen so ca. 1,5 Mio. Dollar zusammen und Keitel ermöglichte Tarantino auch, Castings mit prominenten Kollegen abzuhalten. Nach und nach gesellten sich zu Keitel und Tarantino (der auch eine der „farbigen“ Rollen übernahm) dann versierte Genre-Darsteller wie Tim Roth, Michael Madsen, Steve Buscemi oder Chris Penn hinzu.
Herausgekommen ist das, was das moderne Gangsterkino neu definieren sollte. Mit Einflüssen von Kubricks Die Rechnung ging nicht auf aka The Killing (wie Tarantino selbst angibt) und Anleihen bei Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (die Farb-Namen) zitiert sich der seinerzeit 29-jährige Regisseur bereits lustvoll durch seine Filmvorbilder und integrierte gleichzeitig das, was sein Markenzeichen werden sollte: Angeregte Wortgefechte über popkulturelle Phänomene und/oder Belanglosigkeiten. Keiner anderer schafft es, auf so unterhaltsame und witzig-süffisante Art und Weise Diskussionen über Popsongs von Madonna oder die französische Bezeichnung eines „Quarter Pounders mit Cheese“ in seine Filme zu integrieren.
Tarantino definiert coole Gangster neu

Dabei ist Reservoir Dogs alles andere als eine Komödie. Gegenüber dem doch teils betont lockeren Ton im Nachfolger Pulp Fiction geht es in Tarantinos Kino-Debüt ernst und ziemlich blutig zu. Und das, obwohl der eigentliche Heist-Coup, also der Diamantenraub gar nicht gezeigt wird. Letzteres eine Entscheidung aus zweierlei Gründen. Zum einen wäre die Inszenierung des Raubs und der anschließenden Flucht natürlich sehr kostspielig geworden. Zum anderen war’s letztlich eine bewusste Entscheidung, die Tarantino die Möglichkeit gab, den Film erzählerisch und nicht über Bilder zu entwickeln. Aus heutiger Sicht vermutlich die beste Entscheidung in der Karriere des Regisseurs.

Für Reservoir Dogs selbst bedeutete das, dass sich die Figuren nach und nach entfalten. Sie legen Schicht für Schicht ihrer Anonymität ab und geben mehr und mehr preis, wes Geistes Kind sie sind: Das Spiel mit dem möglichen Verräter innerhalb der Truppe, der Wahnsinn, den Mr. Blonde an den Tag legt, der emotionale und gleichzeitig ruhige Mr. White oder der etwas paranoide Mr. Pink, der zwar an den Coup an sich glaubt, sich selbst aber für den einzigen Profi hält, Trinkgeld hingegen für Unsinn. Diese maximal unterschiedlichen Figuren fügt Tarantino zu einem fesselnden, blutigen und packenden Ganzen zusammen, dass er in einem klassischen Western-Finale enden lässt. Glücklicherweise nahm der Regisseur auch nicht das Angebot eines ungenannten Produzenten wahr, der das Ende gerne dergestalt ändern wollte, dass sich die ganze Sache als Inszenierung erwiesen und alle wiederauferstanden wären.

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(Stand von: 6. February 2023 17:59 - Details
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Bildqualität (90%)

Tarantino hat Reservoir Dogs damals natürlich analog gedreht. Zum Einsatz kamen Kameras vom Typ Arriflex 35-III, Panavision Panaflex X und Panavision Panaflex Gold. Von diesem 35-mm-Filmmaterial wurde nun ein neuer 4K-Scan angefertigt, auf dessen Grundlage noch HDR10 und Dolby Vision mit einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum hinzu kamen.

Die bisherige Blu-ray datierte bereits aus dem Jahr 2008 und war noch VC-1 kodiert. Aber selbst für eine Full-HD-Scheibe aus der Anfangszeit der Blu-ray sieht sie ziemlich schwach aus. Es beginnt mit relativ verwaschenen Farben, während Hauttöne einen leicht kränklichen Eindruck hinterlassen und leicht ins Grünliche fallen. Dazu ist das VC-1-Encoding wirklich schwach. In Begleitung einer Rauschfilterung zeigen sich auf uniformen Hintergründen immer wieder clusterartige Rauschblöcke. In Halbtotalen geht die Schärfe fast völlig flöten und durch die Rauschminderung wirken Gesichter etwas wachsig.

Die neue Blu-ray und UHD Blu-ray machen nun alles anders. Im laufenden Film ist die UHD Blu-ray gerade diesen kleinen Hauch dunkler, der die leicht überstrahlenden Bereiche der neuen Blu-ray noch besser durchzeichnet (Himmel bei 21’03). Auf der anderen Seite sind Schwarzwerte nun noch satter und kräftiger.

Das Bild der neuen BD und UHD-BD schlägt das der alten Blu-ray um Längen

Die Durchzeichnung auf dunklen Bildanteilen bleibt stets erhalten. Versumpfungen oder Black Crush gibt es nicht. Das Bild wirkt insgesamt noch filmischer, noch authentischer. Vor allem die Auflösung ist in der Tiefe noch mal sichtbar besser. Das lässt sich an Feinheiten ausmachen (Gitter auf der linken Seite bei 21’03), aber auch an Oberflächen, die durch die feinere Körnung und das bessere Encoding eine plastischere Struktur bekommen (Nieten am El Camino bei 21’03).

Die Farben sind gleichzeitig noch etwas kräftiger, lösen aber auch besser auf  – gut zu sehen bei der schwierigen Rot-in-Rot-Szene ab 26’52, bei der Keitels Haut etwas souveräner bleibt und das Wuseln im hellen Balken (oben im Bild) homogener erscheint. Rot ist ohnehin noch mal kräftiger, was gerade dem reichlich fließenden Lebenssaft mehr Ausdruck verleiht. Die Magenta-Einfärbung der neuen Blu-ray ist auch über die UHD-BD zu sehen, fällt aber etwas weniger auf, da die Farben insgesamt noch kräftiger sind. Das reichhaltig fließende Blut wurde selten knalliger in einem Film wiedergegeben. Menschen, die warme Gradings nicht mögen, werden hier unter Umständen kritischer hinschauen, ansonsten aber ist die 4K-Disk ein Augenschmaus.

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Tonqualität (65%)

Auch akustisch war die alte BD nicht ganz das Gelbe vom Ei. Mit einer 5.1-DTS-HD-High-Resolution-Spur kam die Scheibe für die Synchro und litt vor allem unter etwas muffigen Dialogen. Die Atmosphäre im Diner zu Beginn ist allerdings ganz hübsch räumlich und der Intro-Song kommt erstaunlich knackig rüber. Das kann die englische Fassung mit identischer Kodierung auch nicht sonderlich viel besser. Viel besser kann sie die Dialoge darstellen. Denn kaum wechselt die Szenerie in das Fluchtfahrzeug mit Mr. Orange und Mr. White kehrt die deutsche Synchro zum dünnen und muffigen Charakter zurück.

Der Tonsektor bleibt unspektakulär

Das ist insgesamt zweckdienlich, klingt aber nur mittelprächtig gut und in der Lagerhalle ist einfach eine Spur zu viel Hall auf dem Geschehen. Die neue Blu-ray nutzt (leider) die gleiche Tonspur, allerdings nun mit DTS-HD-Master-Kodierung. Das ändert nichts am generellen Soundeindruck, da die Datenrate keine ernsthafte Klangverbesserung erwirken kann, wenn die Quelle identisch ist. Ebenfalls vorhanden sind zwei 2.0-PCM-Spuren, die ordentlich klingen, die deutschen Dialoge aber dennoch nicht besser in den Raum stellen.

  • Deutsch: DTS HD-Master (65%)
  • Englisch: DTS HD-Master (75%)

Bonus (40%)

Beim Bonusmaterial wurden zunächst einmal die vier Audiokommentare der bisherigen Blu-ray gestrichen. Weder der von Tarantino und Bender, noch diejenigen von den drei Filmkritikern sind enthalten. Auch das restliche Bonusmaterial der alten BD ist nicht mehr an Bord. Dafür gibt’s entfernte Szenen sowie die beiden Featurettes „Profiling the Reservoir Dogs“ und „Playing it Fast & Loose“. Ersteres ist eine kurze Charakterisierung der einzelnen Figuren des Films und das zweite lässt Filmkritiker und Filmprofis zu Wort kommen. Sie schildern, warum Tarantinos Erstling zu dem wichtigen Kultfilm wurde, der er ist.

Gesamtbewertung Reservoir Dogs (82%)

Reservoir Dogs ist nach wie vor ein grandioser Gangsterfilm und der Grundstein für eine einzigartige Filmemacher-Karriere. Bis heute hat der Film nichts von seiner Faszination verloren. Die bisherige Blu-ray wurde dem nicht ansatzweise gerecht. Gut, dass dieses Doppelpack dem nun ein Ende bereitet.

Das Bild der neuen BD und UHD Blu-ray ist einfach umwerfend gut. Lediglich Menschen, die empfindlich auf die warme Farbgebung reagieren, werden hier eventuell die Nase rümpfen. In puncto Kontrastdynamik, Schärfe, Detailabbildung, Encoding und Plastizität wischen die beiden neuen Disks mit der alten BD aber den Boden auf.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 01. Dezember 2022 Review am: 21. Dezember 2022
Erscheinungsjahr Film: 1992 Laufzeit: 99 Minuten
Filmstudio: Studiocanal FSK: ab 18 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
2,35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch DTS HD-Master
Deutsch DTS HD-Master
High Dynamic Range:
HDR 10
Dolby Vision
Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Reservoir Dogs Trailer:

 

Timo Wolters
Timo Wolters
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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