Stephen Kings ES – Kapitel 2 auf 4K Blu-ray im Test: Genauso gut wie der Vorgänger?

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Im Test: "Es - Kapitel 2" auf 4K Blu-ray
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Nur sehr wenige Stephen-King-Verfilmungen haben im Kino wirklich echte Erfolge feiern dürfen. Seltsam genug, wenn man bedenkt, wie viele Millionen Bücher der Kult-Horror-Autor weltweit verkauft hat. Sieht man von wirklich angesehenen Lieblingen wie Shining oder Stand by Me ab, gab’s auch kaum King-Filme, die zumindest auf die Gegenliebe der Kritiker stießen. Bis … ja bis vor zwei Jahren Andy Muschietti kam. Der argentinische Regisseur hatte 2013 mit Mama einen fiesen kleinen Horrorhit gelandet und überzeugte mit der Neuverfilmung von Kings Mammutwerk ES überraschenderweise Publikum und Kritiker. Nicht verwunderlich allerdings, denn Muschiettis ES schaffte, was der altbackenen TV-Verfilmung 1990 nur bedingt gelang: Die perfekte Verbindung von Horror und Coming-of-Age-Story. Denn genau das ist auch Kings Vorlage: Eine horrorlastigere Variante seiner Kurzgeschichte „Die Leiche“ (die man mehr unter ihrem Filmnamen Stand by Me) kennt.

Natürlich war auch bei der Neuverfilmung klar, dass man nicht das komplette Buch in einen Film quetschen könnte. Also teilte Muschietti die Story in zwei Kapitel auf und wählte für den ersten Teil ausschließlich die Geschichte mit den Kids in Derry. Es – Kapitel 2 tritt nun die schwere Nachfolge an, eine Brücke zu dem Part zu schlagen, der 27 Jahre zuvor spielte und gleichzeitig packend zu erzählen, welche Menschen die nun erwachsenen Sieben geworden sind. Und genau bei diesem Kraftakt verhebt sich der Film zuweilen. Zunächst aber zum Positiven: Als erstes wäre das Cast zu nennen. Ausgehend von der Besetzung der älteren Schauspieler stellt es für alle, die den ersten Teil zur Auffrischung noch mal gesehen haben, keinerlei Herausforderung dar, auf die Kids zu schließen. Selten fand man wohl erwachsene Akteure, die ihren Kinder-Vorbildern so gut entsprachen. Dass man es mit Jessica Chastain, James McAvoy und Bill Hader zudem geschafft hat, drei bekannte Gesichter zu engagieren, sorgt für Wiedererkennungswert. Wirklich gut gelingt auch der Aufbau dieser individuellen Charaktere. Gut eine Stunde nimmt sich der Film Zeit, um zu schildern, was in den vergangenen 27 Jahren geschehen ist und welche Menschen aus den damaligen Kids geworden sind. Das ist zwar kein Coming-of-Age mehr, hält aber dennoch einige Dramen parat.

Wiedersehen nach 27 Jahren

Muschiettis Film ist zwar immer dann gut, wenn er diese Gegenüberstellungen und Analogien zwischen den Erwachsenen und den Kids anstellt, bekommt dabei aber bisweilen das Problem, den Horror etwas zu kurz kommen zu lassen. Oder, besser gesagt: Pennywise kommt zu kurz. Der von Bill Skarsgård im ersten Teil so genial-böse dargestellte Horror-Clown hat in der ersten Hälfte des Films nur wenige Auftritte. Dafür gibt’s umso mehr andere (Fantasie)Monster. Womit wir bei einer weiteren Kritik sind: Denn leider versucht Es – Kapitel 2 einen nicht unerheblichen Teil seines Grusels und seiner Wesen über CGIs zu vermitteln – und das ist nur bedingt gelungen. Viele getrickste Grimassen der Monster-Erscheinungen sehen leider nicht sonderlich überzeugend aus. Davon abgesehen sind 169 Minuten für einen Horrorfilm nun wirklich kein Pappenstiel. Das sind fast drei Stunden und damit eine ähnliche Laufzeit wie ein Avengers: Endgame. Die Konsequenz ist eine gewisse Langatmigkeit, die man – im Vergleich zum Vorgänger – dann doch attestieren muss. Die damalige TV-Verfilmung kam mit 192 Minuten aus – für BEIDE Teile.

Pennywise ist immer noch wütend – leider aber zu selten im Film zu sehen

Dabei fängt alles eigentlich gut, stimmungsvoll und packend an. Wenn Pennywise nach nicht ganz zehn Minuten sein erstes Opfer findet, ging der Szene eine hoch emotionale Sequenz voraus, die den Zuschauer schon mal mit unbequemem Gefühl zurück lässt. Auch die Einführung der älter gewordenen Freunde ist (wie erwähnt) durchweg gelungen – sieht man mal von Richies Kotzeritis ab, die gleich zwei mal (ziemlich unnötig) formatfüllend mit der Kamera festgehalten wird. Ohnehin hat der zweite Teil einen etwas größeren Hang zum Ekligen und zur Nutzung von seltsamen Flüssigkeiten. Um vom Grauen und dem Schauder zwischendurch abzulenken, integriert ES – Kapitel 2 immer wieder etwas Humor. So kann man über die Frotzeleien des erwachsenen Richie durchaus mal herzhaft lachen. Der Grusel funktioniert übrigens oftmals weitaus besser, wenn er angedeutet wird. Wenn viele kleine Augen blitzend aus der Kanalisation blicken oder entsprechende Geräusch die kommende Gefahr andeuten.

Hingegen wirken die übergroßen Gummimonster eher lachhaft und nicht ernsthaft schaurig. Im Sinne der Originalgeschichte versprüht dafür der finale Kampf in der Kanalisation viel Atmosphäre aus den Büchern. Und das versöhnt am Ende dann doch wieder etwas – selbst wenn Kapitel 2 nicht die Qualität des Vorgängers erreicht. Wirklich klasse ist allerdings der großartige Gastauftritt von King selbst. Als Second-Hand-Ladenbetreiber im Neil-Young-Shirt lästert er ein bisschen über berühmte Autoren und legt damit sein bisher launigstes Cameo aufs Parkett.

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1 KOMMENTAR

  1. Selbst wenn die Figuren teils „Unhorror“ wirken, passt das doch. Der Film spielt um erwachsene. Die sehen alles etwas weniger Gruselig. Ich bin auf jeden Fall gespannt und hoffe, dass der Directors Cut bald kommt.

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