Alien 4K Blu-ray im Test: Auch 40 Jahre danach ein Hochgenuss

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Unser Test der
Unser Test der "Alien: 40th Anniversary" 4K Blu-ray zeigt, dass auch ältere Titel von der neuen Technik profitieren!
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Wir schreiben das Jahr 1979: Zwei Jahre zuvor hatte der Brite Ridley Scott mit Die Duellisten sein Langfilm-Debüt gegeben. Dass er dann aber an das Skript zu einem Science-Fiction-Film kam, war fast ausschließlich der Tatsache zu verdanken, dass Star Wars 1977 durch die Decke ging. Mit dem Erfolg des George-Lucas-Epos war der Weg für ein Genre frei geworden, das man zuvor im Kino tot glaubte. Die Story, die Dan O’Bannon über einen längeren Zeitraum entwickelt hatte, wollte er als „ernste“ Version seiner Studenten-Kooperation mit John Carpenter, Dark Star, etablieren. Kurze Zeit war O’Bannon auch selbst im Gespräch, den Film zu realisieren, doch das Produzententeam brachte Scott ins Gespräch, nachdem sie dessen Duellisten gesehen hatten. Der Rest ist Sci-Fi-Filmgeschichte. Und Alien ist unzweifelhaft einer der besten Science-Fictioner aller Zeiten.
Nie zuvor war das Setting im Genre düsterer als hier. Zudem wurden die Filmfiguren mit herausragenden Darstellern gecastet und es gab erstmals eine Frau als Actionheldin. War noch etwas?
Ach ja: H.R. Giger. Doch der Reihe nach. Denn Ridley Scotts 1979er Science-Fiction-Klassiker ist so viel mehr.

Das erste Mahl nach dem langen Kälteschlaf
Das erste Mahl nach dem langen Kälteschlaf | Bildquelle: 20th Century Fox

Bevor der Regisseur zu diesem Projekt kam, hatte Dan O’Bannon also bereits das Drehbuch geschrieben und auch den Schweizer Künstler Hansruedi Giger engagiert, dessen Arbeit später einen wichtigen Bestandteil ausmachen sollte. Als Ridley Scott dazu stieß, setzte er etwas durch, was das Studio nur mit Murren und großen Bedenken zuließ: Scott nahm praktisch eine Geschlechtsumwandlung der ursprünglich als Mann konzipierten Hauptfigur vor und boxte gegen den Willen aller Produzenten durch, mit Ripley eine Frau als Heldin zu positionieren. Eine Entscheidung, die für das Kino wegweisend werden sollte.

Die Umsetzung von Alien selbst war eine Mischung aus sehr profanen Mitteln (da es Ridley Scott gerne puritanisch haben wollte) und dem Art-Design eben jenes H.R. Giger, der zuvor mit seinen Werksammlungen „ARh+“ und „Necronomicon 1“ aufgefallen war. Seine Neuinterpretation von Kunst verhalf dem Film zu einem Design, das bis heute unerreicht und zahlreich (meist schlecht) kopiert wurde. Sein Alien dürfte ohne Zweifel die abscheulich-furchterregendste und morbid-faszinierendste Kreatur des Kinos sein. Unzählige Genrefilme, in denen ein bösartiges Alien fortan eine Rolle spielte, präsentierten ein Wesen, das unverkennbar auf Gigers Original basierte.

Wären sie doch bloß nicht in dieses Raumschiff gegangen
Wären sie doch bloß nicht in dieses Raumschiff gegangen | Bildquelle: 20th Century Fox

Bis heute ist der Spannungsbogen, den Scott aufbaut, unerreicht. Wenn die Bewegungssensor-Geräte immer lauter knackend davon zeugen, dass das Wesen in unmittelbarer Nähe sein muss; wenn Harry Dean Stanton auf der Suche nach Schiffskater Jones im Frachtraum auf das sabbernde Alien trifft und wie sich die Kreatur am Ende im Rettungs-Shuttle kauernd aus einer Nische schält – das sind unvergessliche Filmmomente. Situationen in denen man mit Gänsehaut und vollgepumpt mit Adrenalin erfuhr, was es bedeutet, vor einem Film Angst zu haben.

Was weder zuvor noch nachher einem Film, bzw. einem Masken- und Kreaturdesigner gelang, ist das gleichzeitig abschreckende und anziehende, das von diesem Alien ausgeht. Gigers Kreatur, ihr länglicher Schädel und der kurz vor der Exekution des Opfers hervorpreschende zweite Kiefer – das waren Ideen und Einfälle, die so neu und einzigartig (gleichzeitig sexuell aufgeladen) waren, dass man es nur bewundern konnte. Gleichzeitig funktioniert der Film aber auch deshalb so gut, weil er die Figuren sorgsam einführt, weil er neben dem Kampf mit dem Alien auch das Thema „niedrige Arbeiter“ gegen „intellektuelle Vorgesetzte“ berührt, weil er sozialkritische Aspekte wie Rassismus und Vorurteile gegenüber Andersartigem einfügt und einen Verschwörungsaspekt integriert, welcher der Geschichte am Ende noch eine zusätzliche brisante Note verleiht.

Facepalm auf Alien-Art
Facepalm auf Alien-Art | Bildquelle: 20th Century Fox

Wie Scott dies mit seinem Team und den Darstellern unter einen Hut brachte und dabei nie die Übersicht über die Geschichte verlor oder das Thema Spannung vernachlässigte, das ist hohe Filmkunst. Im Übrigen wurden nicht nur die Kinobesucher und Zuschauer des Films mit Überraschungseffekten konfrontiert, sondern auch die Schauspieler selbst. Wer die Szene des aus Kanes Bauch herausplatzenden Chestbursters genau ansieht, merkt die reale Überraschung von Veronica Cartwright als ihr das Blut ins Gesicht spritzt – man hatte den nicht direkt beteiligten Darstellern davon zuvor gemeinerweise nichts gesagt.

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Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

8 KOMMENTARE

  1. Mir reichen die Blu Ray Filme! Im Angebot bei Amazon für 5€ pro Teil. Als Set meist noch billiger! Die Qualität ist mehr als Top! 4K braucht kein Mensch!

    • Schreib uns bitte nicht vor, was wir „brauchen“. Das tun wir bei Dir auch nicht. Abgesehen davon ist „brauchen“ bei Unterhaltung eh ein unsinniger Begriff.

  2. Nachtrag: Damals im Kino habe ich „Alien“ im „Mathäser“ in München als 70mm Kopie gesehen. Und das war ein geniales Filmerlebnis auf der Riesenleinwand.
    Übrigens ist dieses Kino jetzt das erste „Dolby Vision“ Kino in Deutschland.

    • Das ist schön, aber solche 70mm-Kopien sind nur Vergrößerungen des 35mm-Originals. Diese wurden oft erstellt, weil 70mm-Film bis zu 6 Tonkanäle auf dem Film selbst unterbringen kann, was bei 35mm nicht geht. Auf die Qualität des Bildes selbst hatte das keinen positiven Einfluss.

  3. Ein Original 35mm Negativ hat sogar eine höhere Auflösung, als sie 4K bietet.

    Das Problem bei 35mm ist aber das Alter und um welche Kopie es sich dabei handelt.

    • Das ist ganz einfach nur falsch. Erstens hat Film überhaupt keine Auflösung, sondern feines oder weniger feines Filmkorn. Allerdings gibt es eine Entsprechung darin, wie feine Details man dabei sehen kann. Selbst mit 2K Digitalvideo kann man dabei aber feinere Details sehen als bei 35mm. Siehe zum Vergleich Serien wie Stargate SG-1 oder Dollhouse von Joss Whedon und Eliza Dushku, die von 35mm nach 2K gewechselt haben.
      Ob es sich dabei um das 35mm-Negativ handelt, ist heute nicht mehr relevant, da niemand mehr ein Interpositiv auf Film erstellt. Die Negative werden für solche Restaurationsprojekte wie bei Alien direkt in 4K gescannt. Man kann also keine analogen Kopien-Generationen mehr für den Qualitätsunterschied verantwortlich machen.
      Und auch wenn solche in 4K gescannte 35mm-Filme phantastisch aussehen können, wie z. B. bei Blade Runner, kommen sie, was feine Details angeht, nie an 4K-native Filme wie Lucy, Amazing Spider-Man, X-Men: Apocalypse, The Crimes of Grindelwald oder Mortal Engines heran. Selbst 2001: A Space Odyssey, der ja in Super Panavision 70 und Todd-AO, also 70mm, aufgenommen wurde, kommt an diese 4K-nativen Filme nicht heran.
      Das einzige analoge Filmformat, das es mit 4K aufnehmen kann, ist IMAX. Auch das wird auf 70mm Film aufgenommen, aber jedes Einzelbild nimmt die mehr als dreifache Fläche wie bei den beiden anderen 70mm-Formaten ein.

  4. Wie kann etwas, das in 35mm aufgenommen wurde, „natives 4K“ sein? Das sind native 35mm, sonst nichts.
    So gut diese Alien-4K-BD auch aussieht, ist sie nichts gegen echtes natives 4K wie bei Crimes of Grindelwald oder Mortal Engines.

  5. Wie kann Alien bei Inhalt nur eine 100% Wertung bekommen?

    Ich hatte Jahre selten wieder so eine Gänsehaut gehabt als das Alien Intro Theme los ging.

    Hoffe Disney verbogt es nicht.

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