Apple TV 4K: Farbanpassung erweist sich als zweischneidiges Schwert

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Apple TV 4K (2021) mit A12 Bionic SoC und HDMI 2.1
Apple TV 4K (2021) mit A12 Bionic SoC und HDMI 2.1 || Bild: Apple

Apple hat an seinen Apple TV 4K eine neue Option hinzugefügt, welche die Farbdarstellung noch akkurater machen solle. Tests von Kollegen zeigen aber, dass das nicht immer funktioniert.

Apple nennt das Feature „Weißabgleich“. Für die Nutzung benötigt ihr einen Apple TV mit tvOS 14.5, es muss also nicht das ganz neue Modell sein, sowie ein kompatibles Apple iPhone. Die Funktion fordert euch dann auf das iPhone auf eine Fläche am Fernseher zu richten, die verschiedene Farben durchspielt. Am Ende des Procederes passt der Apple TV 4K seine Bildausgabe aus. Laut dem Hersteller solle das zu einer akkurateren Farbdarstellung führen.

Die Kollegen von HDTVTest haben das nun an mehreren Fernsehgeräten einmal getestet und mit einer professionellen Kalibrierung vergleichen. Als TVs kamen dabei ein LG C9 OLED TV, ein Samsung Q80T QLED TV sowie ein Sony XH90 (X900H) LED LCD zum Einsatz. Um iun die Vollen zu gehen, schloss man sogar auch einen Sony BVM-HX310 Mastering-Monitor ein, wie ihn professionelle Studios verwenden.

Die Ergebnisse erwiesen sich als sehr durchwachsen. Während Apples Weißabgleich am LG C9 tatsächlich zu einer verbesserten Darstellung führte, gab es an den LCD-TVs teilweise sogar eine Verschlechterung. Zudem kann Apples Eingriff die Posterisierung erhöhen, wenn besonders stark in die Farbdarstellung eingegriffen wird. Allerdings muss man sagen, dass Apple selbst darauf hinweist, dass zu dynamische und grelle Bildmodi, die in der Regel stark die Farben verfälschen, vermieden werden sollten.

Nichts ersetzt eine professionelle Kalibrierung

An den LCD-TVs führte Apples Weißabgleich zu einer zu kühlen Darstellung. Letzten Endes kann man also erkennen, dass es sich hier nicht um ein Allheilmittel handelt und schon gar nicht eine professionelle Kalibrierung dadurch zu ersetzen wäre. Ob ihr dennoch einmal Gebrauch von der Funktion machen möchtet, bleibt natürlich euch überlassen.

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

13 KOMMENTARE

  1. Gut, dass wir Vincent Teoh und HDTV Test haben.
    Ein anderes Problem ist, dass eine solche „Auto-Kalibrierung“, selbst wenn sie fantastisch funktionieren würde, nur für das Apple-TV arbeiten würde, da sie ja Kalibrierungsfehler des Fernsehers nur an der Streaming-Box ausgleicht. Es würde also nur helfen, wenn man über’s Apple TV streamt und nicht, wenn man z. B. etwas auf physischen Medien guckt.
    Anscheinend versucht Apple da, Leute zum noch mehr Streaming zu überreden.
    Aber als Laie bin ich auch sonst froh, dass es inzwischen so viele gut voreingestellte Modi in besseren Fernsehern gibt. Wir können nicht alle Profis sein.

    • Gibt sicherlich noch genug Laien die es nicht besser wissen und Apple Fanboys die fest an die Funktion glauben:D

        • In den akkuraten Bildmodi gibt es so auch nicht viel einzustellen. Guck dir einfach mal Messungen von den unkalibrierten ISF Modi bei LG OLEDs an oder den entsprechenden Pendants bei Sony oder Panasonic. Die sind ab Werk schon so gut voreingestellt, dass du dir die mit Apples Kalibrierung nur versaust.

    • Das feature funktioniert so wie es sein soll. Was hier getestet wurde ist auch einfach völlig falsch. Sobald dein TV DolbyVision fähig ist und das auch im Apple TV so auswählst wirst du garnicht erst zu kalibrierung geführt. Sobald du einen Bildmodus film, sport, what ever auswählst wirst du nicht korrigieren. Ein TV für den Otto normal Verbraucher kommt in den std Einstellungen und der wird nach der Kalibrierung optisch besser ausschauen und das allein ist was zählt. Eine professionelle Kalibrierung wird vermutlich nicht übertroffen werden ist allerdings für die meisten Verbraucher uninteressant (Da viel zu teuer).

      Einen Einblick wie das ganze funktioniert und auch im vergleich kann man z.B. auf YouTube bei SnazzyLabs sich anschauen (englischer Technik-Youtuber)

      • Meinst Du dieses Video?:https://www.youtube.com/watch?v=i0oQKsYc-tU
        Interessant, wenn auch in mancher Hinsicht nicht so genau wie das von Vincent Teoh. Es fehlen z. B. die Werte für LCD/LED-TVs.
        Andererseits wird die Autokalibrierung des Apple TVs hier nicht gerade begeistert empfohlen. Wenn man sowieso ein Apple TV hat, ist es vielleicht den Versuch wert, aber ich glaube kaum, dass sich irgendwer jetzt deswegen eins zulegt.

  2. Habe es an meinem 2016er LG OLED 55“ versucht und bin zufrieden. Ausgangsmodus war ISF-Dunkel und ATV auf 4K SDR. Die Farben gefallen mir besser.

    • Bei einer Kalibirierung geht es ja aber nicht um „Zufriedenheit“, sondern dass die Farben der Norm entsprechen und so der Content entsprechend möglichst originalgetreu wiedergegeben wird.
      Wenn bspw. der Film kühl mit hohem Blauanteil coloriert ist, dann mag das einem zwar nicht gefallen, aber anscheinend wollte es der Regisseur dann so, um eine gewisse Stimmung zu erzielen.

  3. ja sehr schade. Grundsätzlich ist das ja eine super Idee. Das mit der Kalibrierung ist halt schon ein Thema, gerade für den Laien. Vielleicht können Sie es ja noch fixen bzw. wäre schon genial wenn es in den zukünftigen Generationen klappt.

    Professionelle Kalibierung wird halt immer die beste Möglichkeit sein, um die letzten paar Prozent rauszuholen, wenn man aber durch diese Art der Kalibrierung zu 90-95% an den Referenzwert rankommt, wäre das unglaublich.

    • Insbesondere TVs ab der gehobenen Mittelklasse sind ab Werk in den Cinema/ISF/Filmmaker Modi schon so gut, dass da lediglich eine professionelle Kalibrierung was bringt.

      Und bei den 0-8-15 TVs hilft dann auch die Kalibrierung von Apple nichts. Ein schlechtes Panel bleibt schlecht.

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