Daniel Craig 4K Collection im Test: Noch schärferer Bond

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Inhalt (70-90%)


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Zwischen 1995 und 2002 hatte Pierce Brosnan in einer erstaunlich hohen Frequenz von Bond-Filmen dazu geführt, dass die klassische Figur des britischen Geheimagenten in die Neuzeit des Actionkinos überführt wurde. Doch auch der durch Remmington Steele bekannt gewordene Brosnan hatte nach vier Episoden trockenen Wodka-Martinis die Nase vom Doppelagenten voll und so ging die Suche nach einem Darsteller erneut los. Zahlreiche Namen wurden genannt (unter anderem Henry Cavill, Sam Worthington oder Rupert Friend), aber am Ende wurde es doch ein ganz anderer. Als man am 14. Oktober 2005 verkündete, dass der bis dato eher unbekannte Daniel Craig die Rolle übernehmen sollte, waren die Reaktionen nicht verhalten, sondern vielmehr grundnegativ. Es gab kaum jemanden, der in dem damals 37-jährigen Darsteller wirklich den nächsten Bond sah. Nicht wenige Kritiker sahen ihn bereits nach einem Film untergehen wie seinerzeit George Lazenby nach Im Geheimdienst ihrer Majestät.

Auf’s richtige Blatt gesetzt: Daniel Craig als neuer James Bond

Doch es kam anders – und zwar komplett. Der als zu „blond“ und zu „langweilig“ abgecancelte Brite zeigte es allen Kritikern. Und mehr als das. Seine direkten Vorgänger hängte Craig in Sachen Schauspielvermögen, Körpereinsatz und Charisma von der ersten Sekunde an ab. Auch, weil er ernster rüberkam, was gut in die Zeit ab den 2000er Jahren passte, in denen das überheblich-versnobte eines Brosnan nicht mehr funktionierte hätte. Die Tatsache, dass man eine Art Reboot inszenierte und Bond an den Anfang seiner Geheimagent-Tätigkeit stellte, bot überdies die Möglichkeit, mehr Ecken und Kanten zu liefern.

Mit Casino Royale konnte man außerdem endlich die Story in die EON-Reihe integrieren, für den man lange nicht die Rechte hatte. Erstmals konnte man die Story um die Auseinandersetzung mit „Le Chiffre“ so erzählen, wie man es sich immer schon gewünscht hatte. Und das fertige Produkt ist ein wahrhaft furioser Agentenfilm geworden. Angefangen bei der bis heute sensationell anzuschauenden eröffnenden Fußgänger-Verfolgungsjagd im Parcours-Stil über Bonds Diskussionen mit M bis hin zum fesselnden Kartenspiel, das das Finale einläutet. Garniert mit einer SEHR unbequemen Folterszene, in der jeder im Publikum sitzende Mann mehr als einmal die Luft zwischen den Zähnen einzog sowie einer Eva Green, die als charakterstarke Bond-Geliebte den Doppelagenten beinahe auf ewig an sich gebunden hätte, passt hier einfach alles.

Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten aus „Casino Royale“

Kein Wunder, dass alle Unkenrufer und Vorabkritiker eine 180°-Drehung vollzogen, um diesem „zu blonden und zu langweiligen“ Darsteller fortan zu Füßen zu liegen. Selbst dann noch, als er vier Jahre später seinen zweiten Auftritt als Geheimagent auf der Leinwand hatte, den der deutsche Regisseur Marc Forster leider etwas vor die Wand fuhr. Ein Quantum Trost eröffnet zwar fulminant, ist aber bis heute der Bond-Film mit Craig in der Hauptrolle, der am wenigsten im Gedächtnis bleibt. Was schade ist, denn eigentlich führt er die Story aus Casino Royale direkt weiter und bleibt auch nicht die Antworten rund um Vespers Verhalten und Vergangenheit schuldig. Vielleicht war es die atemlose Action des (für Bond-Verhältnisse) recht kurz geratenen Films, die einen Teil der Fans irritierte, weil sie sich zu wenig von gängigen US-Actionern unterschied. Was sehr wohl Eindruck hinterließ, ist der eher humorfreie Ton, dessen Ernsthaftigkeit auch daraus resultiert, dass Bond hier so „unbondisch“ handelt wie zuvor noch nie.

Dass Skyfall, der dritte Bond mit Daniel Craig, wieder zu alter Stärke finden würde, konnte man möglicherweise bereits am vorab veröffentlichten Titelsong erahnen. Denn wo Chris Cornells You Know My Name aus Casino Royale sowie das Duett Another Way to Die zu Quantum Trost von Alicia Keys und Jack White kaum Wiedererkennungswert lieferten, beschwörte Adeles Skyfall sämtliche Tugenden der früheren Songs. Skyfall unter der erstmaligen Regie von Sam Mendes war dann auch der erhoffte „Killer“. Denn die Reduktion auf eine sehr persönliche Geschichte, die das Verhältnis von Bond und M in den Mittelpunkt rückt, funktioniert in Kombination mit einem der brillantesten Bösewichte der Bondhistorie (der erblondete Javier Bardem als Ex-Agent und nun Cyberterrorist Raoul Silva) hervorragend. Was allerdings vor allem für fesselnde Spannung sorgte, war der unglaublich intensive Showdown rund um ein schottisches Herrenhaus in den Highlands. Atmosphärisch sensationell gefilmt und aufgrund der akuten Bedrohung unglaublich spannend, avancierte Bond #23 zum erfolgreichsten Film der Reihe überhaupt.

Ein Mann und ein Auto – beides Stil-Ikonen

Nach Skyfall hieß es dann gerüchteweise immer mal wieder, dass auch Craig genug vom Agentendasein hätte. Doch Gerüchte blieben Gerüchte. Denn 2015 war es dann wieder soweit. Mit Spectre stand der vierte Bond mit dem Darsteller in der Hauptrolle in den Startlöchern. Dass der bis dato letzte Auftritt künstlerisch wieder einen Schritt zurück ging, lag dieses Mal aber weder an zu hastiger Action oder blassem Gegenspieler, sondern am kruden Drehbuch. Das Skript versucht eine Brücke zwischen aktueller Angst vor totaler Überwachung hinüber zu den klassischen Elementen und Figuren der Bond-Frühwerke zu schlagen, während er gleichzeitig auch noch die losen Handlungsfäden aus allen drei vorangegangenen Filmen zu einem Ganzen verknüpft. Quantum war demnach nur eine untergeordnete Division von Spectre und Spectre dafür DIE ultimativ böse Vereinigung, für die praktisch alle Gegner gearbeitet haben, mit denen Craigs Bond es in den vorangegangenen Filmen zu tun bekam.

Zwar bekommt Spectre ein bisschen Antrieb durch die Suspendierung Bonds auf Geheiß des neuen M. Doch die Tatsache, dass er sich praktisch vogelfrei und auf eigene Faust (bzw. auf einen Post Mortem erhaltenen „Befehl“ der früheren M) durch den Film bewegt, reißt nicht heraus, was das Drehbuch für Haken schlägt. Als Oberhauser dann auch noch offenbart, in welcher Verbindung er und Bond stehen, wird es grenzwertig albern. Schade um Christoph Waltz, der einen schön durchtriebenen Ober-Bösewicht gibt. Und nicht ganz überraschend, dass Craig sich im Anschluss an seinen vierten Einsatz als Geheimagent mehr als abfällig über die Rolle äußerte und äußerte, dass er keinen n euen Bond mehr machen wolle. Offenbar schien aber das finanzielle Angebot großzügig gewesen zu sein. Denn bevor der nächste Bond möglicherweise eine Frau oder ein dunkelhäutiger Schauspieler sein wird, sehen wir Craig ab April 2020 in Keine Zeit zu Sterben ein letztes Mal wieder.

  • Casino Roayl (85%)
  • Ein Quantum Trost (75%)
  • Skyfall (90%)
  • Spectre (70%)

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3 KOMMENTARE

  1. Kann dem nur zustimmen. Der letzte Film im Kino war Peter Jacksons King Kong. Und nachdem der gleiche Typ fünf Mal im Film sich durch die Reihe quetschte war für mich klar : nur noch Soundsystem und großer Fernseher zu Hause!

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