Digital schlägt physisch: Streaming und VOD überholen in den USA Disc-Verkäufe

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Disc
VOD und Streaming schlägt Disc

Die Zukunft steht fest: Downloads und Streaming lösen Discs weitgehend ab. In den USA zeigt sich das bereits jetzt an den Umsätzen.

Der Ultra HD Blu-ray gehört die Zukunft definitiv nicht: Sie ist und bleibt ein Nischenmedium. Das meinen wir nicht so negativ, wie es für manchen vielleicht klingt. Denn die Scheiben bieten unbestritten die besten Möglichkeiten, was Bild- und Tonqualität betrifft. Doch die breite Masse wendet sich mehr und mehr von Discs ab. Seit Jahren gehen die Umsätze mit DVDs, Blu-rays und Ultra HD Blu-rays zurück. Die Zukunft gehört VOD (Video-on-Demand) und natürlich Streaming-Anbietern wie Amazon Prime Video, Disney+ und Netflix.

Die Veröffentlichungspolitik von Studios wie Disney unterstreicht das bereits. Da gibt es zwar noch Lippenbekenntnisse, doch insbesondere Katalogtitel schiebt man lieber zu Disney+, als sie noch auf Ultra HD Blu-ray freizugeben. Auch bei Warner und Universal zeichnet sich diese Tendenz ab, denn die Heimkino-Abteilungen der beiden Majors werden zusammengelegt. Entlassungen wurden bereits angekündigt. Und von einer stark zusammengeschrumpften Abteilung kann man weder die gleiche Qualität noch Quantität erwarten, wie in vergangenen Tagen.

DEG Zahlen 2020
Streaming und VOD befinden sich weiterhin im Aufwind

Die Digital Entertainment Group (DEG) gibt nun an, dass die Disc-Verkaufszahlen in der ersten Jahreshälfte in den USA gesunken sein – wie logischerweise auch die Kinoeinnahmen. Letzteres war ja aufgrund der Corona-Krise nicht zu verhindern. Zeitgleich erlebten Streaming und VOD einen Aufschwung. Dabei ist es eine Premiere, dass die Einnahmen über digitale Filmverkäufe (1,61 Mrd. US-Dollar) erstmals über denen lagen, die durch Disc-Verkäufe erwirtschaftet wurden (1,275 Mrd. US-Dollar). Was bei Musik längst Realität ist, betrifft nun also auch die Film- und TV-Industrie: Discs verlieren stark an Bedeutung.

Das Kräfteverhältnis wird deutlich

Noch deutlicher wird das Verhältnis, wenn man auch Leihfilme eingezieht – sowohl digital als auch physisch. Dann steht es 2,98 Mrd. US-Dollar (digital) gegen 1,85 Mrd. US-Dollar (physisch). Dabei wurden neie PVOD-Einnahmen (Premium VOD) durch Filme wie „Trolls World Tour“ nicht einmal einberechnet. Überraschend ist diese Entwicklung keinesfalls. Seit 2014 baut der Markt für Discs in den USA jedes Jahr im zweistellige Prozentzahlen ab.

Corona scheint dem Ganzen eben einen noch stärkeren Push verliehen zu haben. Bei den Filmstudios ist diese Entwicklung mehr als willkommen: Der digitale Vertrieb liefert ihnen nicht nur Einnahmen durch Lizenzvergaben an Partner wie Amazon Prime Video und Netflix, sondern im Falle eigener Plattformen wie Disney+, HBO Max oder Peacock wertvolle Kundendaten. Auf lange Sicht muss man also kein Nostradamus sein, um zu erkennen, dass die Ultra HD Blu-ray ein hochpreisiges Medium für Enthusiasten verbleiben wird, während die Masse sich mit Streaming-Content begnügen wird – analog zur Musikindustrie, wo die Transformation bereits abgeschlossen ist.

21 KOMMENTARE

  1. Solange Digitale Käufe an einen Anbieter wie Apple oder Amazon gebunden sind, werden diese für mich keine Alternative zu echten Scheiben. Was passiert mit meinen iTunes-Filmen wenn Apple mal kein Bock mehr auf das Geschäft hat?

    Ich streame auch viel, aber Discs sammeln ist eben eine Leidenschaft und ein Hobby.

    Und ich verstehe sowieso nicht, warum noch irgendjemand DVDs kauft. Das ist mir komplett schleierhaft….

  2. Dann gibt es noch einen ganz anderen Grund und zwar der der privaten Videoaufnahmen per Camcorder bzw. Kameras von Familienfeiern und Urlaub bzw. Reisen. Wie soll man die auf lange Sicht dauerhaft speichern und worauf, wenn die Disk endgültig irgendwann vom Markt verschwinden sollte? Vielleicht auf Festplatten, Servern oder USB-Stick und Camera-Speicherkarte? Da kann man nur lachen, wie lange die wohl die Daten so halten werden! Das gäbe dann ein ganz großes Erwachen!!! Ich speichere alle meine Fotos und Videos auf die relativ neue sog. M-Disc in DVD- oder BlueRay-Format! Vorher auf goldene CD, DVDs von Kodak und Verbatim. Habe 20 Jahre alte goldene CD und noch nie einen Ausfall damit, im Gegensatz zu Festplatten, USB-Sticks und dem ganzen im Prinzip her eigentlich nur rein virtuellem Kram! Habe in jetzt 29 Jahren, seit ich PCs besitze schon so viele Festplatten entsorgen müssen und auch bei den neueren USB-Sticks leider auch schon ab und zu Daten verloren! Die sind einfach nicht sicher genug auf Dauer über mehrere Jahrzehnte!

    • Guter Einwand. Im Sinne der Cloud-Anbieter kommt sicher da einmal einer her und meint klarerweise dort… — …sicher nicht. Unabhängig vom Datenschutz ist es oft auch praktisch mit Inet und so nervig. Geht dann ja oft nicht um geringe Daten. Man könnte sich höchstens ein NAS holen…

      Festplatten müssen immer wieder in Betrieb sein, da die Platten regelmäßig neu magnetisiert werden müssen… – also mindestens ein RAID1 (2x HDD wo eine ausfallen kann).
      …bei USB-Sticks ist die Lebensdauer eher auf Schreibzyklus angelegt. Da sollte theoretisch mehr gehen. Optische Medien ist so eine Sache. Da habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht. Aber schon jetzt bekommt man Rohlinge nur mehr von wenigen Herstellern… Dazu notwendige Laufwerke sind noch seltener…

  3. Nehmen wir mal Disney+. Das Abo kostet 70 € pro Jahr und bietet 500 Filme (und noch viel mehr Episoden, aber die ignorieren wir mal). Gehen wir von >20 € pro Film auf 4K Disc. Das sind also >10000 € für alle Disney-Filme bzw 140 Jahre Disney+-Mitgliedschaft. Rechnen wir das nun mit den 3000 Filmen bei Netflix (laut unogs), sieht es trotz 4K Familien-Abo für die Disc noch bescheidener aus (>300 Jahre). Und vielleicht bin ich ja dumm, aber dass sich bei den Voraussetzungen VoD durchsetzt, ist doch logisch und doch auch bewusst gesteuert. Und kommt mir jetzt nicht mit geringerer Kosten bei VoD. Rechenzentren, Personal und Traffic sind bestimmt nicht günstiger als die Produktion der Discs. Die wollen das so und wenn nach dem Hype die Übernahmeschlacht kommt, sehen wir ja was die Branche daraus gelernt hat. Gefährlich ist auch, dass man Streaming-Accounts nicht vererben kann. Ich bin mal gespannt wie die Kunden darauf reagieren werden, wenn Opas Account mit den 1000 iTunes-Filmen plötzlich weg ist.

    • Das größte Problem ist IMHO, dass viele exklusive Streaming-Inhalte nie auf physischen Medien rauskommen. Da hat man dann mit allem Geld der Welt nicht die Wahl, sich stattdessen eine Blu-ray, ob 2K oder 4K, zu kaufen. Darum achte ich darauf, mir die Scheiben, die noch rauskommen, erst recht zu kaufen, wenn ich Fan davon bin. Das meistens bessere Bonus-Material macht mir diese Entscheidung dann leichter.

    • Der Vergleich hinkt da er davon ausgeht man mag generell alles was es gibt. Das trifft so in etwa auf 0,0% der Kunden zu.

      Und immer wieder wird vergessen das Prime Video und Netflix nur Eigenproduktionen in HDR und/oder Dolby Vision anbieten! Also nur ein Punkt wo der Vergleich hinkt.

      Von allen Filmen die ich habe, auf Blu-ray und UHD Blu-ray, gibt es nichtmal ein Achtel davon bei Disney+/Netflix/Prime zusammen genommen!

      Ich weiß nicht woher immer diese Annahme kommt Blu-ray konkurriert mit Streaming Abos. Blödsinn in meinen Augen, Streaming Abos sind wie früher Fernseh. Eine Erweiterung mit Serien usw die nicht käuflich zu haben sind.
      Die einzige Konkurrenz zur Blu-ray sind digitale Käufe bei iTunes, Prime usw. Und nur diese Zahlen sollte man mir Blu-ray Verkäufen vergleichen! Da es nur so auch wirklich alle Kinofilme gibt. Die Abos konzentrieren sich doch nur auf ein Bruchteil davon, und selbst Filme die man digital und auf Disc in HD/Dolby Vision kaufen kann, immer nur in SDR in jedem Abo außer bei Disney+. Abos sind Daher nur für ihre exklusiven Inhalte, die Eigenproduktionen, zu gebrauchen. Außer Qualität (HDR/Dolby Vision) ist einem unwichtig. Und man s Haut wie schon früher im Fernsehprogramm eh hauptsächlich nur was einen vorgehalten wird und verzichtet halt auf fast alles weil man nicht kaufen will, sei es digital oder auf Disc.

  4. Die Streaming-Entwicklung passt nicht zum Bemühen der Geräte-Hersteller, Fernseher mit 4k oder gar 8k verkaufen zu wollen. 4k-Inhalte der Streamingplattformen kann ich – gemessen an der mickrigen Datenrate – nur als Mogelpackung bezeichnen. M.a.W: Streaming sollte auch der Gertäteindustie gar nicht gefallen…

    • Ja, aber solange viele Kunden so doof sind, DVDs oder andere SD/SDR-Inhalte auf 4K- oder 8K-Geräten zu gucken, wird das weiter funktionieren.

  5. Ach, das ist jetzt erst der Fall? Es wird doch schon seit wer weiß wievielen Jahren gesagt, dass die Digitalscheiben-Verkäufe nachlassen. War wohl alles relativ.
    Mal sehen, ob das auch so bleibt. Bei E-Books gibt es da seit einiger Zeit ja auch eine Trendwende gegenüber physischen Büchern.
    Einige neue Steaming Services in den USA wie Quibi und erstaunlicherweise, trotz der wahnsinnig guten Inhalte, HBO MAX (wohl bald Warnermax) bekommen trotz Corona nicht so schnell Abonnenten wie gewünscht.
    Und dann gibt es da noch das Rätsel der Vinylplatte …
    Die Wege des Medienmarktes sind unergründlich.

  6. Naja, das mit den 4k Blue Ray ist sowieso eine komische Sache. Erstens bekommt man nicht immer die beste Qualität – da wird gerne mal Dolby Atmos oder so nur für Streaming aufgehoben. Außerdem versteh ich nicht warum ich nicht einfach nur die 4k Blue Ray kaufen kann und immer gezwungen bin eine normale ebenso mitzukaufen…

    …erhöht doch unnötig den Preis, der sowieso schon recht hoch ist. Was sich dann etwas widerspricht wenn man defintiv weiß, man bekommt nicht alle Features.

    • Die Blu-ray als Beilage ist preislich zu nachlässigen: Die werden ja sowieso gepresst und die Kosten pro Disc sind für die Vertriebe im Cent-Bereich.

      Die Kosten für die Discs sind hoch, weil die Zielgruppe einfach recht klein ist und man daher nicht so viel Geld über die Masse machen kann. Ergo muss man, will man die Kosten wieder reinholen, auf höhere Verkaufspreise setzen.

      • Naja, so richtig kann das aber nicht stimmen. Ich konnte teilweise schon reine 4k Medien kaufen und diese waren günstiger als die Version mit der Beilage.

        Es mag die Disc im Cent-Bereich liegen, aber das heißt nicht, das man exakt dies so an den Kunden weitergibt. Mir kommt es eher so vor als würde man für zwei Lizenzen (da zwei Mal der gleiche Film enthalten ist) bezahlen, wobei einmal dann noch ein Aufschlag für 4k hinzukommt.

        Die Zielgruppe mag klein sein, aber mir erschleicht sich der Gedanke, es wird versucht diese noch künstlich weiter zu verkleinern… => Streaming.

        • Da muss ich Andyt schon Recht geben.
          Vorallem wenn man sich mal die Preise im europäischen Ausland anschaut.
          Gerade in Italien, Frankreich und Spanien gibt es viele Titel mit deutschen Ton auf UHD für um die 13€. Mit der BD.
          Bei uns kostet das dann mal gut und gerne minimum 10€ mehr.
          Ist die Zielgruppe für UHD’s in diesen Ländern auch so klein?
          Und wenn einen der deutsche Ton egal ist, kann man auch UK-Importe kaufen über Zavvi o.ä.
          Je nach Kurs Pfund-Euro ein echter Schnapper.
          Da hilft es auch ehrlich gesagt nicht wenn Amazon u.ä. die immer gleichen UHD’s im Angebot hat.
          Zur Beigabe der BD zur UHD.
          Oft wird es ja so gemacht, dass sämtliches Bonusmaterial auf der BD liegt und auf der UHD, die i.d.R. eine 66GB Disc ist, landet nur der Film.
          Ist die Frage inwieweit das Bonus-Material heute noch was taugt bzw. es einen interessiert. Weil, sind wir mal ehrlich, bei dem Großteil wird immer nur geschwärmt wie toll alle sind und wie lieb man sich doch hat, plus vlt. ein Paar Out-takes, je nach Film.
          Zum eigentlichen Entstehen des Films oder einem Hintergrund gibt es imho kaum bis gar keine Infos mehr, ergo könnte man sich das auch sparen.
          Ich habe eher den Eindruck dass bei uns die Preise künstlich hoch gehalten werden.

  7. Ja, es ist traurig und noch trauriger wird es, wenn man mal weiter in die Zukunft denkt, wenn sich Streaming endgültig durchgesetzt hat, denn dann ist eines klar: Wir zahlen für den Streamingcontent und werden gleichzeitig mit Werbung (auch Unterbrecherwerbung) vollgeballert und es wird dann keine Möglichkeit geben diese zu überspringen oder vorzuspulen. Willkommen in der schönen Zukunft des Massenkonsums!

    Das heute gerade bei den Jüngeren kaum noch Klasse, sondern Masse zählt merkt man doch an mehreren Dingen: Netflix führt ein Feature zur Beschleunigung der Wiedergabe ein, aktuelle Filme sind nur dann erfolgreich, wenn viel Action und vorallem viele Schnitte enthalten sind. Lieber schnell eine Serienfolge, als ein richtiger Film. Bloß keine langatmigen Szenen mit Dialogen, denn da müsste man sich ja sonst noch auf das Briefmarkenkino auf dem Smartphone gar richtig konzentrieren und das geht doch zwischen Hauptspeise und Dessert oder den Öffis auf keinen Fall.

  8. Der breiten Masse ging es ja noch nie um Qualität. Dort steht billig, billiger, am billigsten ganz vorne. Gefolgt von so einfach und bequem wie möglich, und die Verfügbarkeit einer großen Auswahl im Vordergrund.

    Wäre Qualität wichtig hätte sich auch Betamax und Laser Disc gegen VHS durchgesetzt. Hat es aber nicht weil Qualität an letzter Stelle steht bei der breiten Masse steht. Wäre Qualität wichtig, hätte Streaming nie eine Chance gehabt.

    • Leider hast Du damit nur allzu Recht 🙁 , war auch ein Punkt was damals Plasma das Aus bereitet hat , für die meisten Kunden zählte dann nicht mehr das beste Bild sondern nur noch das LCD TV s ja soviel weniger Energie verbrauchen , was erst seit dem ein wirklicher Punkt war als die Firmen bei LCD TV s dann LED s für die Hintergrundbeleuchtung einsetzten . Es ist unglaublich traurig das somit erneut eine herausragende Technik fast schon zum Tode verurteilt ist .

      • Bei Plasma war das viel größere Problem, dass
        man UHD Plasmas nicht wirtschaftlich produzieren konnte.
        Auch die Helligkeit war da ein viel entscheideneres Problem.

      • Panasonic hat einige Jahre vor dem Ende noch einiges dazu beigetragen den Preis von Plasma-TVs günstiger zu machen… auch wenn dies vermutlich durch das LCD-Geschäft subventioniert wurde. Und neben dem höheren Stromverbrauch, ist hier genauso wie bei OLED der Einbrenneffekt vorhanden. Außerdem konnte man viel zu lange keine FHD-Plasmas unterhalb von 60 Zoll bekommen. Und zu der Zeit war der Fokus der TV-Größen noch woanders. Wäre da nicht der Markt für Heimkinofans mit größerem Geldbeutel, wären Plasmas noch früher vom Markt verschwunden.

    • @Skeletor1979: Du sprichst mir so aus dem Herzen die WAHRHEIT!

      Ich erlaube mir noch was anzufügen, denn es geht auch um KONTROLLE!

      Mit Streaming haben die Labels volle Kontrolle, daher Streaming nur über meine Leiche…
      …dann bin ich OLD School…ich will was ich kaufe auch in der Hand halten und abspielen
      ohne mir Rechte von aussen holen zu müssen…
      Solange es Strom gibt, kann ich Discs spielen….

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