Custom Tone Mapping und AutoCal v2.0 für LGs TV-Modelle aus 2019

Welche Neuerungen bieten CalMAN und LG für ihr TV Lineup 2019? Alle wichtigen Infos lest Ihr hier!

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NEU: Custom-Tone-Mapping für ausgewählte LG TV-Modelle aus 2019
NEU: Custom-Tone-Mapping für ausgewählte LG TV-Modelle aus 2019

Custom Tone Mapping und AutoCal v2.0 sind zwei neue Features, die privaten und professionellen Anwendern für LGs 2019 Fernseher zur Verfügung stehen. Welche Vorteile sich daraus ergeben, erläutern wir euch hier!


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Da es sich hier um die ersten TV Geräte handelt, die dieses Feature anbieten, möchten wir euch die Grundlagen des Tone Mappings erläutern und aufzeigen wie die LG Geräte samt CalMAN Software den Prozess durchführen und welche Vorteile sich dadurch theoretisch ergeben. Auf der CES wurde uns und den Kollegen der video das neue Feature in einer privaten Demo vorgeführt.

Was ist Tone Mapping?

Um die Vorteile des neuen Features zu verstehen, ist es notwendig die Grundlagen des Tone Mapping zu verinnerlichen. HDR Content wird aktuell in 1.000 nits oder 4.000 nits samt DCI-P3 Farbraum gemastert. Kleiner Exkurs am Rande, aktuell gibt es nur einen Film, der in 10.000 nits und BT.2020 Farbraum gemastert wurde. Dabei handelt es sich um das US Release von Bladerunner 2049 von Warner Bros. Jedoch gibt es aktuell kein TV Gerät, dass annähernd 4.000 nits Spitzenhelligkeit erreicht. Es gibt einige aktuelle LCD Spitzenmodelle wie z.B. den Samsung Q9FN, oder 8K Q900 die beinahe 2.000 nits Spitzenhelligkeit erreichen. OLEDs erreichen kalibriert sogar nur 700-800 nits und genau hier setzt das Tone Mapping an.

Auch ausgewählte LG 2019 NanoCell TVs unterstützen Custom Tone Mapping sowie AutoCal
Auch ausgewählte LG 2019 NanoCell TVs unterstützen Custom Tone Mapping sowie AutoCal

Das Tone Mapping eines Displays ist dafür verantwortlich, wie Highlights die zu hell sind auf dem TV angezeigt werden. Der einfachste Weg ist es, die Highlights zu clippen also „abzuschneiden“. Dabei wird auf einem OLED TV alles bis zu 700-800 nits angezeigt. Alle Details die darüber hinausgehen, werden daraufhin so angezeigt, als wären sie in 700-800 nits gemastert worden. Für dieses vorgehen musste LG 2016 bereits ein paar harte Schläge aus der Kundschaft einstecken. Zwar erreicht man mit dieser Methode die bestmögliche Spitzenhelligkeit, opfert dafür aber Details in Spitzenlichtern wie z.B. Wolken oder Schnee.

Diese werden in dem Fall schlicht als eine Weiße Fläche ohne jegliche Details und feinen Abstufungen angezeigt. Feine Nuancen können so nicht mehr dargestellt werden. Um dies zu vermeiden, setzen die meisten TV Hersteller so an, dass das Display alle Details bis zu 150-300 nits korrekt anzeigt und dafür die Helligkeit für Objekte die darüber hinausgehen, in Punkto Helligkeit reduziert. Zwar sinkt dadurch die Spitzenhelligkeit für helle Flächen, jedoch bleiben so sämtliche Details in z.B. Wolken und Schnee erhalten. Jeder Hersteller wählt beim Tone Mapping teils unterschiedliche Ansätze, die fest vorgegeben sind. LG und CalMAN bieten dem User mit den 2019er Modellen nun jedoch erstmals die Möglichkeit beim Tone Mapping einzugreifen und es nach seinen persönlichen Präferenzen anzupassen – denn hierbei gibt es kein Richtig oder Falsch.

Custom Tone Mapping

Der erste Schritt der nötig ist um eine Custom Tone Mapping Kurve zu erstellen, ist es den zuvor gemessen Wert für die Spitzenhelligkeit zu erfassen und unter Luminance im DDC Fenster einzutragen. In dem unteren Beispiel sind es 740 nits. Dabei spielt es keine Rolle ob euer OLED TV heller oder dunkler ist, denn diese Option nutzt die gemessene Ziel Helligkeit für die Tone Mapping Kalkulation um die PQ genau zu treffen.

Mit den 3 Metadata und Roll-Off Punkten ist es nun möglich, sehr genau individuelle Tone Mapping Kurven für Content der in 1.000, 4.000 und sogar 10.000 nits gemastert wurde zu erstellen. Content dessen Spitzenhelligkeiten zwischen diesen Punkten liegt, resultieren in einer Tone Mapping Kurve, die interpoliert wird.

Neue Einstellungsmöglichkeiten im DDC Fenster um die Parameter für das Custom Tone Mapping zu ändern

Mit nur einem Klick ist es möglich, diese dann direkt in den TV hochzuladen und mittels CalMAN die Genauigkeit zu verifizieren und die 1D LUT Grautreppe falls nötig anzupassen. Damit habt ihr eure eigene optimierte Tone Mapping Kurve erstellt. Aber welche Vorteile erzielt man damit in der Praxis bzw. gibt es gar welche?

Mögliche Vorteile

Der offensichtlichste Vorteil ist meiner Meinung nach, dass LG als erster Hersteller überhaupt dem Endverbraucher mittels CalMAN Software die Möglichkeit bietet, dass Tone Mapping individuell an seine Vorlieben anzupassen – dies ist bis dato einmalig!

Es kann durchaus vorkommen, dass der vom Hersteller ab Werk gewählte Ansatz des Tone Mappings nicht optimal ist. Sollte das Display für Content in 1.000 nits optimiert worden sein, clippt der TV Details in Spitzenlichtern bei Content welcher in 4.000 nits gemastert wurde und umgekehrt.

Der User kann nun testen welche Tone Mapping Einstellungen ihm besser gefallen, solange er ein Colorimeter wie z.B. das X-Rite i1 Display Pro und die CalMAN Software sein eigen nennt.

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Rund um diese Methode wird es vermutlich in den einschlägigen Foren lange Diskussionen über die eine beste Einstellung geben, jedoch gibt es diese nicht. Es wird einiges an Trial and Error nötig sein, um herauszufinden welcher Ansatz das Seherlebnis für HDR Material optimieren kann. Dieser lässt sich dann auch nicht 1:1 auf alle Titel übertragen. Deshalb ist es von Vorteil, dass man je HDR Bildmodus, eine Custom Tone Mapping Kurve erstellen kann.

Eben dieser Ansatz ist der Grund dafür, dass LG bei seinen 2019 erscheinenden OLED Modellen nun erstmals die Möglichkeit implementiert hat, den Anteil des weißen Sub Pixels via Einstellungen im TV zu regulieren. Durch die Reduzierung erhöht man die Farbgenauigkeit im HDR Modus, opfert dafür jedoch Spitzenhelligkeit. Deaktiviert man den boost des weißen Subpixel komplett, erreichen die OLED Geräte noch immer gute 450 nits, die für einen ausreichenden HDR Effekt sorgen sollten und dazu noch die Farbgenauigkeit erhöht. Wie sich das in der Praxis verhält, muss sich jedoch erst noch zeigen. Wir freuen uns daher schon jetzt auf ein Review Sample.

Es sei noch angemerkt, dass dieser Ansatz nur dann funktioniert, wenn man das Dynamic Tone Mapping von LG deaktiviert. Sollte dieses nämlich aktiviert sein, errechnet der TV Bild für Bild dynamisch die PQ.

AutoCal v2.0

Neben der Erstellung von individuellen Tone Mapping Kurven, bietet LG noch weitere interessante Features an. So wird parallel zur Markteinführung der neuen TV Modelle CalMAN 2019 erscheinen und den Heimkino-Enthusiasten und Hobby-Kalibrierer neue Möglichkeiten zur Optimierung der Bildqualität bieten.

Ein wie wir finden, geniales Feature das LG allen seinen 2019 erscheinenden Modellen spendiert hat, ist die Möglichkeit nun die Messfelder für die Kalibrierung direkt über einen integrierten Test Pattern Generator über den TV mittels CalMAN Software zuspielen zu können.

Die beiden Hersteller durchbrechen damit bekannte konventionelle Methoden und erleichtern dem Endverbraucher den Einstieg rund um das Thema Bildkalibrierung und denken dabei sogar an seinen Geldbeutel. Statt einen teuren externen Test Pattern Generator wie z.B. den Murideo Six-G, der aktuell mit ~ 2.500€ in der Anschaffung zu Buche schlägt, kann der User nun mit dem internen Test Pattern Generator (iTPG), einem günstigen Mess Sensor wie dem X-Rite i1 Display Pro und CalMAN Enthusiast direkt loslegen und eine Menge Geld einsparen.

Ob es auch möglich sein wird, die Messfelder mittels third Party Software wie z.B. das kostenlose HCFR direkt anzusteuern, wagen wir aktuell noch zu bezweifeln, dass könnte sich jedoch noch im laufe der Zeit eventuell ändern.

Der iTPG arbeitet im vollen RGB 10-bit Farbraum und nativer Auflösung von 3840 x 2160. Darüber hinaus ist es möglich, den iTPG für die Kalibrierung von SDR, HDR als auch Dolby Vision zu nutzen! Anders als bei externen Test Bild Generatoren ist es notwendig, beim iTPG für HDR und Dolby Vision, den TV mittels Video Playback in den jeweiligen Modus zu versetzen. Um das ganze zu vereinfachen, stellt LG hierfür entsprechende Media Files zum Download zur Verfügung, die ihr per USB zuspielen könnt. Dabei handelt es sich um einfache 15% Graubilder mit den entsprechenden unterschiedlichen HDR Metadaten:

Neben LG hat auch Panasonic dieses Jahr auf der CES in Las Vegas verkündet, den iTPG für ihren kürzlich vorgestellten OLED GZW2004 zu unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass auch weitere Hersteller wie Samsung und Sony dieses tolle Feature in Zukunft implementieren werden.

CalMAN Panasonic
Der OLED GZW-2004 unterstützt auch den iTPG

Wie auch schon im letzten Jahr ist es möglich, die TV Geräte von LG mittels AutoCal automatisch zu kalibrieren. Anders als bei Herstellern wie Samsung oder Panasonic, die ebenfalls AutoCal unterstützen, werden sämtliche Änderungen direkt an der Hardware vorgenommen, anstatt die Standard Regler des TV’s zu verwenden. Dies ermöglicht deutlich präzisere Anpassungen der Grautreppe als auch die Möglichkeit eine 3D LUT direkt in den TV hochzuladen. Hierbei bleibt aber alles auf Vorjahres Niveau, was aber auch nicht weiter verwundert, da der gleiche Chipsatz in Form des Alpha 7 Gen.2 für die B Modelle im OLED Segment, als auch die Einstiegsmodelle im LCD Bereich zum Einsatz kommt. Der Alpha 9 Gen.2 werkelt in allen weiteren Modellen des 2019er Lineups.

In Summe hat der User erneut die Möglichkeit, eine 17^3 LUT für die Modelle mit Alpha 7 Gen.2  und eine 33^3 LUT für die Modelle mit Alpha 9 Gen.2 Chipsatz zu generieren. Welche Bild Modi können bei den neuen 2019er kalibriert werden?

SDR

  • Kino
  • Spiel
  • Technicolor Expert
  • ISF Hell
  • ISF Dunkel

HDR (HDR10/HLG)

  • HDR Kino
  • HDR Spiel
  • HDR Technicolor Expert

Dolby Vision

  • Dolby Vision Kino
  • Dolby Vision Kino Home
  • Dolby Vision Spiel

Wir freuen uns schon jetzt die neuen Features, als auch die Geräte selbst in einem ausführlichen Test genau unter die Lupe zu nehmen.

Custom Tone Mapping und AutoCal v2.0 für LGs TV-Modelle aus 2019
4.7 (93.33%) 15 Bewertung[en]
Fabio Elia
Technik, Film, Serien und Comic-Geek, der vor allem nicht genug von Marvel bekommt. Nebenberuflich kalibriere ich leidenschaftlich gerne TV Geräte auf Norm und teste diese auf Herz und Nieren. Vertrauen ist gut - messen ist besser.

3 KOMMENTARE

  1. Sonys ZD9 und ZF9 sind heller wie Samsungs Kröten die in der Helligkeit enorm abfallen, wäre hier bessere Beispiele.

    Die News ist wirklich nicht schlecht, Vincent hat da auch ein Video zu gemacht… alles sehr erfreulich aber für den Normalnutzer ist das natürlich ein Feature was dieser nie nutzen wird.

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