Sonos schlittert in die Krise und entlässt Mitarbeiter

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Die Sonos Arc kostet in Deutschland 899 Euro

Sonos hat erst kürzlich neue Produkte wie die Soundbar Arc vorgestellt. Allerdings steckt der Hersteller aktuell in einer handfesten, wirtschaftlichen Krise.

Die Sonos Arc ist per se etwa eine interessante Soundbar: Sie unterstützt eARC, Dolby Atmos und auch Apple AirPlay 2. Schwer zu empfehlen ist sie reinen Heimkino-Fans, weil der Preis mit 899 Euro hoch gegriffen wirkt, wenn man nicht ohnehin bereits im Sonos-Ökosystem zu Hause ist. So sind weder ein Subwoofer noch Rear-Lautsprecher im Lieferumfang enthalten. Und zum selben Preis war auch schon die Samsung HW-Q90R (hier unser Test) zu haben, die eben mit Subwoofer und Rear-Lautsprechern kommt und ebenfalls eARC und Dolby Atmos bietet. Für die Sonos Arc gibt es zwar auch einen Sub, der muss aber separat für stolze 799 Euro erworben werden.

Sonos lockt Kunden vor allem mit dem Versprechen seiner größeren Plattform, man bezahlt quasi auch für den Zugang: Denn Sonos hat ein ausgereiftes Multiroom-System auf Wi-Fi-Basis etabliert, in dem auch alle anderen Speaker des Unternehmens beheimatet sind. Doch offenbar wird es für Sonos immer schwieriger Neukunden mit der aktuellen Preisgestaltung zu überzeugen. Entsprechend hat das Unternehmen angekündigt 12 % seiner Belegschaft zu entlassen. Der Geschäftsführer Patrick Spence nimmt zudem eine freiwillige, temporäre Senkung seines Basisgehalts um 20 % hin. Weh tun dürfte ihm dies aber nicht, da er durch Aktienoptionen und Boni trotzdem volle Taschen haben sollte.

Sonos Arc Schwarz Lifestyle
Die Sonos Arc ersetzt die Playbar und Playbase

Immerhin ist die Geste des CEOs aber sicherlich willkommen. Sonos wird auch einige kleinere Büros schließen. Auch der Sonos Showroom in Manhattan Soho macht dicht. Sonos verweist darauf, dass die Probleme auf die Corona-Pandemie zurückzuführen seien, wir denken aber, dass mehr dahinter steckt. In der letzten Zeit ist es vielen Luxus-Anbietern ähnlich ergangen wie Sonos, da die Kunden preisbewusster werden – auch Bang & Olufsen spürt das aktuell etwa deutlich.

Sonos spricht von enormen Umsatzeinbrüchen

Bei Sonos sanken die Umsätze im Vergleich mit dem Vorjahr im zweiten Quartal 2020 um 17 %. Allein im März sollen die Einnahmen um 23 % gesunken sein, wenn man mit dem gleichen Zeitraum 2019 vergleicht. Auch wenn der Geschäftsführer Spence die Schuld allein COVID-19 zuschiebt, sehen wir da aber ein größeres Problem beim Premium-Hersteller. Wir nehmen an, dass die hohen Preise des Unternehmens mehr und mehr Kunden abschrecken und dann zu Alternativen gegriffen wird. Schließlich gibt es mittlerweile viele Multiroom-Lösungen – etwa HEOS von Sound United oder DTS Play-Fi, das immer breitere Unterstützung findet.

Sonos will nun den Mitarbeitern, die ihren Hut nehmen müssen, Unterstützung anbieten: Es soll Abfindungen geben und auch Coachings für weitere Karrieremöglichkeiten – dürfte aber natürlich ein schwacher Trost sein, wenn die Arbeitslosigkeit in einer ohnehin schweren, wirtschaftlichen Zeit droht.

14 KOMMENTARE

  1. Wie man so ein gutes System gegen die Wand fährt hätte man sich ja bei Logitech mit der Squeezbox-Reihe abschauen können. Gerade die Trennung in „Alt“- und „Neu“-Geräte hat Sonos extrem viel Verlust beschert. Die guten und flexiblen Händler für Braune Ware haben im ersten Halbjahr ’20 ein Plus von bis zu 30% eingefahren (ich arbeite zum Teil in diesem Bereich).
    Also…Sonos…ich würde sofort drei zusätzliche Geräte für meinen Sonos-Haushalt kaufen…aber der Kundenumgang sagt mir: Nein.

    • Das ist eine interessante Frage. Die könnte ich jetzt aus dem Stegreif gar nicht beantworten. Was die Preisklasse anbelangt wärst du bei B&O natürlich in den Gefilden von Sonos. Qualitativ ist gegen die Modelle Beoplay M5, Beoplay M4 wohl nichts zu sagen. Preisgünstiger aber funktional (z.B. via AirPlay 2) gibt es genug Produkte. Da gibt der persönliche Anspruch wie immer die Richtung vor. Ein anderes „Walled-Garden“-System mit einem breiten Produkt-Portfolio fällt mir jetzt gar nicht ein. Man könnte sich ein paar Amazon Echo, nen Echo Sub usw. besorgen. Die klingen zum Teil ja auch nicht schlecht. Möchte man jedoch kein Alexa, zahlt man für ein Feature das am Ende nicht genutzt wird.

    • Wenn es um Multiroom-Systeme geht, könnte ich HEOS empfehlen, wenn es da nicht gerade diese Probleme mit dem Update gäbe. https://www.4kfilme.de/denon-heos-firmware-update-zerschiesst-die-netzwerkanbindung/
      Allerdings habe ich selbst die Probleme mit meinem AVR-X4500H nach einem Tipp von Matthias ziemlich problemlos wieder hinbekommen. (Siehe Link.) Die schlimmeren Probleme sind ja auch hauptsächlich bei den Modellen von 2016 bis 2017 aufgetreten. Vielleicht ergibt es Sinn, diese Entwicklung im Auge zu behalten.
      DTS Play-Fi scheint auch eine Alternative zu sein, auch wenn ich damit keine direkten Erfahrungen habe.

  2. Sonos hat den Absturz selbst mitverursacht und ist selbst dafür verantwortlich. Die vielen kleinen Händler die Marke Sonos durch Beratung usw. aufgebaut haben, wurden vor ein paar Jahre in einen Höhenflugwahn als Dank für den Aufbau abserviert. Nicht nur das sämtliche Verträge als erster Schritt gekündigt und wenn durch schwächere kontitionen ersetzt wurden.
    Weiteres wurden die vom Händler gewonnen Kunden durch die Daten Krake wie es schon hier erwähnt worden ist.
    Kundendaten die für einen vosierten direkt Verkauf Verwendung fanden und damit die Händler in Prinzip abermals hintergangen wurden.

    Sonos ist trotz plug and play ein Produkt wo Beratungen speziell bei geplanten multiroom Anlagen ein nicht unwichtiger Faktor ist.
    Ein amp kostet ja doch um die € 700, – –
    Und dann noch die Aktionen wo Kunden fast gezwungen werden neue Geräte anzuschaffen, obwohl die alten noch einwandfrei funktionieren. In Zeiten des umdenken zu Nachhaltigkeit nicht wirklich der treibende Motor um ein Produkte bei den unzähligen Angeboten durchzusetzen.
    Veraltet als Begründung wo der interne Datenverkehr bei Musik immer ähnlich bleibt. Wenn ein Gerät nicht airplay 2 kann, weil es nicht die nötigen Schnittstellen hat.
    Kann ja ein Gerät der neuen Model Reihe die Aufbereitung übernehmen und als zuspieler für alle Geräte fungieren.
    Ähnlich wie ein connect wo ein Plattenspieler angeschlossen ist, die analoge Schallplatten in digitale Daten umwandelt und als analog digital Wandler an alle Devices die Daten zu Verfügung stellt.

  3. Ich würde Sonos nicht Als Luxus Anbieter bezeichnen, die Lautsprecher gibt es für 99 Euro bei Ikea und auch die Play1 gab es schon für 130 Euro.

    • Naja, die Lautsprecher die es bei Ikea gibt sind „powered by Sonos“ sozusagen! Da steckt nicht wirklich viel Knowhow von Sonos drin! Nur der Name darf für Werbung verwendet werden! Nen guten Unterschied gibt es da schon! Beim Rest gebe ich dir Recht! Luxushersteller wie Bang Olufsen können die noch lange nicht das Wasser reichen! Sonos spielt eher im oberen Mittelsegment mit, so auf Level von Teufel und co.
      Allerdings sind die Preise bei Sonos zu hoch, weil für das Geld bekomme ich auch was von Bose oder Bang Olufsen!

  4. Wo sind oder bleiben weitere für das Produkt notwendige Inovationen.. Bsp. der noch immer „immense“ Stromverbrauch.

  5. Ich habe von mehreren Sonos-Benutzern gehört, dass sie immer wieder dazu aufgefordert werden, weitere private Informationen von sich preiszugeben und Sonos inzwischen als Datekrake ansehen.

    @Mule: Ich nehme mal an, dass Du das mit den Zwangsaccounts meinst, oder irre ich mich da?

    Gerade HEOS hat IMHO den Vorteil, dass die Leute mit AVRs/AVCs von Sound United immer schon eine erste sehr große Hardware-Komponente ihres HEOS-Systems zu Hause haben, wenn sie in das Multiroom-System einsteigen.

  6. Sonos ist spätestens seit der Zwangsaccounts und der Updatepolitik bei mir persönlich durch und letztendlich bieten sie für das Geld einfach zu wenig (Klang).
    Geht ihnen halt wie irgendwann den meisten gehypten Herstellern: Sobald die Hypemasse abgegrast ist, finden sich nicht mehr genügend Käufer für die Produkte, wenn der Hersteller nicht rechtzeitig erkennt, dass man mit Hype-Produkten nicht langfristig überleben kann und seine Produktpalette und – strategie entsprechend anpasst, so dass auch die Masse Interesse an den Produkten bekommt.

  7. Dazu sollte man noch wissen, dass Sonos seit Jahren nur Verluste macht, siehe:

    https://www.finanzen.net/bilanz_guv/sonos

    Wie die Zahlen zeigen, hat man in den letzten Jahren, mit steigendem Eigenkapital auch kontinuierlich seine Schulden erhöht.
    Solange der Umsatz wie geplant weiterläuft, kann das funktionieren (machen Netflix, Spotify & Co. ebenso).
    Ist das irgendwann nicht mehr der Fall, platzt die Blase – wie es sich offenbar nun abzeichnet.
    Über die Gründe kann man spekulieren.
    In der TV-Branche (und auch vielen anderen Heim-Elektronik-Branchen) hat Corona dieses Jahr unterm Strich bisher eher zu Umsatzzuwächsen geführt, da durch Lockdown und stark eingeschränkte Urlaubsmöglichkeiten bei vielen Leuten eher ein Cocooning-Effekt eintrat/-tritt:
    Man macht sich’s dann halt zu Hause schön und leistet sich von der eigentlich für den Urlaub geplanten Kohle nen neuen TV, Kühlschrank, Grill, sonstwas.
    Dass Sonos hier als Einziger nicht profitiert, ist schwer erklärbar und untermauert eher die These, dass die Gründe für die Krise hausgemacht sind:
    Hohe Einstiegspreise, eingeschränktes Produktfortfolio (man hat halt, im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, nur Multiroom-Audio im Portfolio) bei immer größerem Wettbewerb und dann noch eine aus Herstellersicht zu lange Produktlebensdauer im Verhältnis zur aktuellen Marktgröße.
    Man hat zu lange auf Pump gelebt und gehofft es geht immer so weiter.
    Aber Zeiten, Trends und Märkte verändern sich und gehen, in Masse, aktuell z.B. viel stärker in Richtung Bluetooth-Speaker zum Mitnehmen. Da ist der Sonos Move mit 399,- € natürlich ebenfalls kein Massenmarktprodukt.
    Nun muss man halt die Bremse ziehen und schauen, wie man das Unternehmen stabilisiert.

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