Amazon Prime Video, Netflix, Disney+ und Co.: Experte hält reduzierte Streaming-Qualität für unnötig

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Internet Erde
Streaming-Downgrades seien laut einem IT-Experten Unfug
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Amazon Prime Video, Netflix, Disney+ und Co. haben temporär die Streaming-Qualität reduziert. Ein Experte äußert aber nun, dass diese Maßnahme eigentlich unnötig sei.


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Aktuell geht es rund bei den Streaming-Anbietern: Netflix preschte voran und reduzierte die Bitrates für seine Streams. Auch YouTube ergriff Maßnahmen. Es folgten schnell sowohl Amazon Prime Video als auch Apple TV+. Und obwohl der Dienst noch gar nicht gestartet ist, hat auch Disney schon angekündigt, dass Disney+ zum Lauch mit reduzierten Bitrates starten werde.

Einige Menschen begrüßen dies, da so die Internet-Infrastruktur entlastet werde. Bedenken hatten sich in der Politik geregt, weil durch das Coronavirus aktuell viele Menschen ans eigene Heim festgenagelt sind und im Home Office arbeiten aber auch Unterhaltung in Streaming-Angeboten suchen. Das belaste die Infrastruktur und könnte im schlimmsten Fall Ausfälle zur Folge haben.

Es gibt aber auch andere Stimmen, welche die Maßnahmen für unnötig halten. Die Streaming-Anbieter hätten eher aus eigenen wirtschaftlichen Interessen gehandelt, lautet die Kritik: Denn sie verdienen nichts an der erhöhten Nutzung, vielmehr entstehen zusätzliche Kosten. Logisch, denn die Preise für die Abonnements bleiben ja identisch und sind unabhängig vom Ausmaß der Nutzung.

Internet-Pionier und Wissenschaftler kritisiert die Reaktionen in der EU

David Clark arbeitet am renommierten MIT und zählt zu den Internet-Pionieren. Laut ihm seien die Maßnahmen in der EU Unfug. Es sei genügend Spielraum, um einem höheren Andrang Stand zu halten: „Mir zeigt das nur, dass sie nicht verstanden haben, wie das Internet funktioniert„, moniert der Senior Research Scientist, der im Computer Science and AI Laboratory des MIT arbeitet.

Laut Clark gebe es ausreichend Bandbreiten und Kapazitäten. Zudem sei es zwar möglich, dass es regionale Probleme geben könnte, die würden dann aber kein ganzes Land betreffen, sondern eher eine einzelne Straße in einer Stadt beispielsweise, wo höherwertige Anbindungen notwendig seien. Das sei dann aber kein Problem der größeren Infrastruktur, sondern stark eingegrenzt.

Zusätzlich bemängelt der Wissenschaftler, dass die EU inkompetent gehandelt habe, denn es ergebe grundsätzlich keinen Sinn Netflix zu fragen, die Bitrates zu reduzieren.Das machen die sowieso automatisch. Das muss man denen nicht erst sagen„, wendet Clark ein. Denn wenn Engpässe erkannt würden, dann verringere Netflix die Bitrate ohnehin automatisiert. Clark fasst zusammen: „Wenn man nicht das Ziel verfolgt Entertainment mit Absicht qualitativ zu verschlechtern, um vielleicht sicherzustellen, dass andere Nachrichten stärker wahrgenommen werden, dann kann man das System einfach laufen lassen, denn es passt sich von selbst an.“ Es gebe ausreichend Spielraum, um mit Spitzen fertig zu werden, lautet sein Fazit.

24 KOMMENTARE

  1. Was die Streaming Dienste da abziehen ist einfach nur Betrug am Kunden,wie kann es rechtlich möglich sein den Endkunden seine 4kuhd Filme vorzuenthalten,ich habe für die UHD Filme extra bezahlt,das was die machen ist Diebstahl und verstößt gegen den abgeschlossenen Kaufvertrag,ist man als Kunde denn nur noch der Willkür der US Konzerne(Amazon/Netflix)hilflos ausgeliefert,wo bleibt das Recht auf Erfüllung des Vertrages.

  2. Das war so oder so klar, ich sag nur Artikel 13 bzw nun Artikel 17- die Fachkompetenz der EU Minister ist einfach TOP – NICHT.
    Wir sind aber leider zum Teil selber schuld, wir hätten ja besser wählen können.

    • Zusatz zum Text
      dass die Streaminganbieter alle freudig drauf angesprungen sind hätte ja schon ein Indietz sein müssen, dass da was nicht stimmt.
      Als zweites wird gerne mit ANGST regiert, wenn ein Politiker da steht und sowas sagt wie „das internet KÖNNTE ausfallen“ hört der Bürger nur „OMG WIR SIND AM ARSCH“ und nimmt das natürlich erstmal für Bare Münze. Wenn man sich allerdings dann mit dem ein wenig befasst und nachforscht ob das denn wirklich so stimmt (andere Länder in der EU haben sogar deutlich bessere Netze als Deutschland und sind auch noch billiger, das is allerdings ne andere sache), stellt man fest – so wie in dem verlinkten Beitrag von Dominic unter mir und dem Telekommitarbeiter, dass noch viel Luft nach oben ist und es eigentlich nicht nötig ist.
      Man hat wahrscheinlich die Schweizprobleme (worauf die nun letztendlich zurück zu führen sind, habe ich nicht nachgeforscht, aber dort lief alles wieder okay – selbst vor der Reduktion von Netflix) gehört und ist dann halt nach vorn geprescht.

      Und ja, mir is es auch lieber, etwas weniger Quali dafür funktionierendes Internet allerdings finde ich es eher unschön, wenn mehr als genügend „Reserve“ vorhanden sind, muss man das nicht hinnehmen.
      ich hätte so eine Bitte an die Konzerne erst raus gegeben wenn wir bei einer auslastung von 70-80% gewesen wären, also wenn es auffällig geworden wäre, dass man iwas unternehmen müsste um ein zusammenbrechen zu verhindern.
      Allerdings glaube ich kaum, dass die EU das jetzt noch wieder zurück nimmt.
      Ich hoffe allerdings inständig, dass die EU nicht auf die Idee kommt und das verlängern lässt, dass Netflix und Co noch länger drosseln dürfen auf Kosten der Kunden.

  3. Kann ich bestätigen. Arbeite in der Telekom Technik und dort haben wir erst heute wieder eine Mail bekommen, in der ein Chef betonte, dass das Netz mehr als Stand hält und es sogar keinen signifikanten erhöhten Datenvekehr gebe. Nur die Festnetz und Mobilfunktelefonie sei erhöht.

    • Das widerspricht jedoch der Aussage von DE-CIX: https://www.de-cix.net/en/about-de-cix/media-center/press-releases/internet-exchange-operator-de-cix-sees-a-strong-change-in-internet-user-behavior Hier sei man bereits bei 63% der verfügbaren Kapazitäten angekommen. Die restlichen 37% werden für die Redundanz und die Sicherstellung der Infrastruktur benötigt. Die Meldung ist vom 18. März, es dürften sich die Zahlen sicherlich etwas nach oben korrigiert haben. In der Pressemitteilung spricht man von +10% Traffic, +50% VPN, +25% Online/Cloudgaming + significant increase of social media. Videostreaming ist hier leider nicht gesondert aufgelistet.

      • „Hier sei man bereits bei 63% der verfügbaren Kapazitäten angekommen.“ Nicht ganz richtig, dort steht nämlich „We continue expanding as soon as 63% of the existing capacities are reached.“ sprich sobald 63% erreicht wird, dies ist aber ja noch nicht der Fall.

          • hast du Dominic auch das F&Q dir angesehen, hab das mal überflogen und in den übersetzer gepackt und auch wikipedia befragt
            DE-CIX ist in ca 11 ländern mit wenn ich das richtig gelesen habe 70 solcher Knotenpunkte vertreten
            2018 lag die kapazität bei 45Tb/s und die ham ja 2019 kräftig ausgebaut somit müsste die höher sein. wenn also der max peak bei 9,1Tb/s war, dann sind bis zur 45 ja noch ne menge luft.
            und im F&Q zu Corona sagt das Unternehmen mehrmals, dass sie die Datenmenge locker stemmen können und genug reserven haben und sie können die kapazität problemlos erhöhen und behalten sich auch immer 25% resevern vor.
            das sagt mir ziemlich klar, dass das drosseln über die EU einfach pberhastet war ohne sich mit den experten zu unterhalten und dieses vorgehen habe ich in meinem kommentar hier drüber ja schon erwähnt.

  4. Wenn der Datenverkehr mehr als ausreichend ist, unsere Regierung den Streaming Anbietern Datendrosselung erlaubt und den Konsumenten kein Preisnachlass gewährt, dann frag ich mich warum den Streaming Anbietern geholfen wird unrechtmäßig Geld zu sparen, bzw. legitimiert zu klauen.

  5. Hallo, ich fürchte, dass die Wunschvorstellungen, mal durch Streamen von (am besten 4K oder höher) für alle zum Albtraum wird. Unabhängig von mehr oder weniger interessanten Inhalten dürfte der Energieverbrauch unrentabel sein. Warum nicht TV? Was ist daran so schlecht? Nur weil man es dann sehen müsste (oder aufzeichnen) wenn es gerade gesendet wird? Was soll dieser Irrsinn, wenn alle Haushalte daheim oder mobil möglichst dauernd im web die Daten nur so rausziehen, die Server müssen schlließlich mit Strom gefüttert werden, und der ist dann hoch. Umweltkatastrophe verschlimmern? Ich habe den Eindruck, die Welt wird immer verrückter. Wären wir früher nicht überfroh gewesen, wenn man die Bildqualität im TV (z. B. DVB-T2) auf 4K skaliert gehabt hätte? Nein – das ÖR-TV ist zu anstrengend, scheint es. Weil man die Inhalte nicht mehr mag? Den ganzen Tag nur Hollywood? Verblödung muss auch begrenzt werden. Echtes 4K sah ich auf ZDF 4K (Astra UHD). Das war leider keine leichte Kost, die Wahrheit um die Welt vor Augen. Der Spiegel der Menschheit.

  6. Das ist genau im Sinne der Anbieter, jetzt wird getestet wie weit man gehen kann um die Qualität zu verschlechtern und ob die die das bezahlen auch mit gehen. Und dann bleibt alles so, und sie verdienen noch mehr. Danke Corona. Die Qualität ist so schon mieß. Habe mir heute Disney angeschaut mit der Qualität die ja auch schon verringert sein soll da können Netflix und der Rest einpacken. Um längen besser.

    • Sehe ich genauso, die Qualität von Disney+ ist trotz angeblicher Drosselung viel besser als bei Netflix (gedrosselt). Netflix hat sowieso schon eine geringe Bitrate und jetzt in dunklen Szenen auf einem 65 Zoll blöckchen Bildung hoch 10

  7. Ich dachte die reduzieren um 25% wenn ich mir bei einem 4k stream die Bitrate anzeigen lasse (Netflix) wird da jetzt 7,62 Mbit statt 15 Mbit angezeigt, dass macht für mich ca. 50% Reduzierung

      • 7 komma nochwas und 15 komma nochwas waren schon lange die beiden UHD Datenraten von Netflix. Sie hätten jetzt eine neue einführen müssen um 25% zu reduzieren. Vielleicht sind es ca. 25% im Durchscnitt oder sonstwas.
        Ich bin sehr froh, dass sie die blödsinnige Idee alles pauschal überall und immer auf SD runter zu fahren, so wie es mal in Medienberichten hieß, nicht umgesetzt haben. Das hätte ich für totalen Schwachsinn gehalten.
        Das man selbst 4k mit der kleineren Datenrate weiter schauen kann, damit kann ich leben.
        Lieber wäre es mir, sie würden auch nach Ort und Tageszeit differenzieren ob sie überhaupt drosseln oder nicht. Ich habe noch nicht ganz raus, ob sie das tun.
        Selbst mehrere Tage nach der Ankündigung ging die Datenrate bei mir noch auf 15,xx hoch. Heute Abend nicht. Ich muss das über die Tage mal beobachten…

  8. Ist doch vernünftig, dass die Bandbreite reduziert wird – auch wenn es nur mal einzelne Regionen oder Städten hilft. Wenn ich nicht im Homeoffice arbeiten könnte, nur weil irgendwelche Eltern ihre Blagen mit Netflix, Amazon Video und Disney+ simultan zufrieden zu stellen versuchen, würde ich mich bedanken. Streaming hat immer eine niedrigere Bandbreite als BluRays oder 4k-Discs – so what? Ich wette, mindestens 95% der Kunden wäre es überhaupt nicht aufgefallen, dass die Datenrate reduziert wird, wäre es jetzt nicht durch die Medien gegangen. Aber Hauptsache man hat ein Thema, über das man sich aufregen kann.

    • Nein, ist es nicht. Es gibt für Netflix & Co. absolut keinen Grund europaweit zu drosseln, „um die Stabilität des WWWs zu gewährleisten“.
      DE-CIX (aka der Knotenpunkt in Frankfurt) ist auf 54.1 TBit/s ausgelegt.
      Der Rekordwert, der vor ein paar Tagen gemessen wurde betrug 9.1 TBit/s.
      So schnell kommen die also nicht ans Limit.
      Und selbst die Provider hier haben nun schon mehrfach bestätigt, dass die nicht mal
      ansatzweise ans Limit kommen. Trotz der höheren Last. Dazu kommt dann, dass bspw. Netflix die Server sowieso direkt im Provider Netz stehen hat und so auch nur das belastet wird.

      Wo es am Ende ggf. zu Bottlenecks kommt, sind einzelne Verteilerkästen in manchen Straßen. Gerade bei Vodafone ist das ja nun keine Seltenheit. Aber da muss man auch ganz klar sagen, dass sowas sowieso automatisch seitens der Streaming Dienste erkannt wird und die darauf ihre Bandbreite für die einzelnen Streams anpassen. Und auch hier können die einzelnen Provider ggf. noch Anpassungen vornehmen, bevor es der Streaminganbieter machen muss.

      Unterm Strich lässt sich so festhalten, dass es technisch gesehen absolut keinen Grund gibt für alle Leute in Europa die Bitrate zu reduzieren. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen 15 MBit und den 7,6 MBit, die ich bei Netflix aktuell habe, mehr als beachtlich. Das weiche Bild und die ganzen Artefakte erkennt sogar ein Grundschüler. Meiner Berechnung nach sind das auch keine „25%“ Reduzierung der Bitrate, die gerne kommuniziert wird.

  9. Verstehe das nicht das die Streaming Dienste froh sein können wenn mehr Leute ihre Dienste in Anspruch nehmen und somit mehr Profit haben.

    • Mehr Leute bedeutet auch mehr Load auf deren Servern.
      Was wieder dazu führt, dass die ihre Kapazitäten erweitern müssen.
      Und das kostet halt wieder mehr Kohle. Und Ausgaben will man natürlich so wenig
      wie möglich haben. Da trösten dann auch die paar neuen Abonnenten nicht. Primär weil die Aufrüstung halt immer teuer ist. Und wenn man dann bedenkt, dass die Last dann ggf. wieder runter geht, ist es halt auch mittelfristig gesehen nicht sinnvoll für ein paar Wochen nur neue Hardware zu kaufen.
      Da kommt dann eine Drossel ganz recht. Und wenn man jetzt natürlich so eine Steilvorlage seitens der Politik bekommt, dann nimmt man die natürlich sehr gerne an.

  10. Na, hoffentlich hören dann Alle auf Mr. Clark.
    Ich möchte endlich mal Rogue One in 4K sehen. Theoretisch geht das ab morgen auf Disney+ und bis die 4K-BD rauskommt, ist das ja erst mal die einzig legale Möglichkeit, so viel ich weiß.

    • Die werden leider nicht auf die hören.
      Ist jetzt für die Unternehmen halt die perfekte Gelegenheit sich bei
      den Politikern einzuschleimen und Kohle zu sparen.

      Leider hat sich mein Netflix Abo ein paar Tage vorher verlängert.
      Sonst hätte ich es direkt gekündigt. Werde ich aber wohl danach machen.

      • Bei mir hat Netflix das Problem nur zu Stoßzeiten. So gegen 15:00 Uhr wird UHD da gerne zu HD, aber nach 22:00 Uhr ist alles wieder wunderbar, 4K-DV-DA.

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