HDMI 2.0-Geräte werden zukünftig als HDMI 2.1-Geräte beworben. Selbst wenn die neuen Geräte fast keine HDMI 2.1-Features unterstützen, dürfen sie doch als solches beworben werden. Chaos pur!
Wir bemängeln schon seit längerer Zeit, dass Geräte, die nur über eine HDMI 2.0-Schnittstelle mit 18 Gbit/s verfügen, aber z.B. eARC unterstützen, mit HDMI 2.1 beworben werden dürfen (siehe Beitrag zu Fake HDMI 2.1). Laut HDMI Licensing LLC hat dies auch seine Richtigkeit. Wir würden dieser Ansicht aber widersprechen. Bei unseren Beobachtungen handelte es sich noch um einzelne Fälle (meist bei Soundbars oder Monitoren), doch bald soll diese missverständliche Praxis zum Standard gehören. Die HDMI Licensing genehmigt nämlich keine HDMI 2.0-Bezeichnungen mehr für Geräte, die eine oder mehrere Features des HDMI 2.1-Standards unterstützen. Ottonormalverbrauchern stehen somit undurchsichtige Zeiten bevor.
HDMI Licensing LLC beharrt auf ursprünglicher Planung
Das Problem tritt übrigens nur auf, weil Hersteller bereits unter der HDMI 2.0-Schnittstelle neue Features wie dynamisches HDR, VRR, ALLM usw. umgesetzt hatten. Anstatt sich einfach dem Lauf der Dinge anzupassen, beharrt das „Lizenzvehikel“ auf seinen ursprünglichen Plan, diese Features ausschließlich der HDMI 2.1-Schnittstelle zuzuweisen. Wie lange es gebraucht hat, die neuste Version des Standards auf den Weg zu bringen bzw. zu verabschieden, darüber wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen.

HDMI 2.0 ist tot und lebt als HDMI 2.1 weiter
Bedeutet, ein 4K Fernseher von Medion, der für ein paar Euro bei Aldi Nord/Süd angeboten wird, kann/muss mit HDMI 2.1 beworben werden, sofern er nur eines der HDMI 2.1-Features unterstützt. Die Fähigkeiten und Features, die mit der neuen Version einhergehen, sind dabei optional und nicht verpflichtend. Dem Portal TFTCentral wurden auf Nachfrage folgende, neuen Regelungen zugesendet:
- HDMI 2.0 existiert nicht mehr und Geräte sollten nicht die Konformität mit v2.0 beanspruchen, da nicht mehr auf diese verwiesen wird
- Die Funktionen von HDMI 2.0 sind jetzt eine Untergruppe von 2.1
- Alle neuen Fähigkeiten und Funktionen von HDMI 2.1 sind optional (dazu gehören FRL, die höheren Bandbreiten, VRR, ALLM und alles andere)
- Wenn ein Gerät die Konformität mit 2.1 beansprucht, muss auch angegeben werden, welche Funktionen das Gerät unterstützt, damit es nicht zu „Verwirrungen“ kommt.
Vor allem Punkt 4 klingt wie absoluter Hohn, wenn man sich die Entwicklung der HDMI-Schnittstellen ins Gedächtnis ruft. Geräte, die eines der folgenden Features unterstützen können, bzw. müssen zukünftig mit HDMI 2.1 beworben werden: Dynamic HDR (HDR10+, Dolby Vision), enhanced Audio Return Channel (eARC), Variable Refresh Rate (VRR), Quick Media Switching (QMS), Quick Frame Transport (QFT), Auto Low Latency Mode (ALLM) oder Display Stream Compression (DSC). Das dürfte so ziemlich auf 99% aller Geräte mit einem High Definition Multimedia Interface zutreffen.
Ärger für Kunden, Hersteller und Händler in Sicht
Käufer sind in Zukunft darauf angewiesen, dass Hersteller die HDMI 2.1-Features auffällig und transparent präsentieren und nicht in den Untiefen der Spezifikationen verstecken. Der Kauf in einem Fachgeschäft wird damit definitiv erschwert und nicht nur die Kundschaft, auch den Verkäufern wird es nicht einfach gemacht, wenn diese eine umfassende Auskunft über den genauen Feature-Umfang geben sollen. Und das Beste dabei, selbst wenn alle Features unterstützt werden, kann es immer noch sein, dass es sich nur um ein Anschluss mit 18 Gbit/s handelt und nicht um einen neuen mit 40/48 Gbit/s. Neue Gaming-Konsolen erreichen auf diesen Geräten maximal 4K@60Hz beschränkt und nicht die vollen 4K@120Hz, da die Bandbreite der HDMI-Anschlüsse dafür nicht ausreichen.

Alternative Vorschläge für HDMI 2.1?
Wir finden, dass die Lösung der HDMI Licensing LLC die schlecht möglichste Version darstellt. Hersteller werden mit dieser neuen Regelung sicherlich in Konflikt mit ihren Kunden geraden, Kaufinteressierte müssen weitaus mehr Zeit in die Recherche neuer Produkte investieren und Onlinehändler und Fachhandel müssen die Features ebenfalls bestmöglich kommunizieren. Wir könnten uns noch mit dem Gedanken anfreunden, alle Anschlüsse zukünftig HDMI 2.1 zu nennen, aber bei der Kundenkommunikation sehen wir bei diesem Vorgehen leider Schwarz. Wieso nicht einfach ein Siegel für HDMI 2.0 und HDMI 2.1 einführen, mit dem Kunden auf einen Blick sehen können, was das Gerät unterstützt?

Oben ein Vorschlag, wie so ein Siegel aussehen könnte. Am Anfang die Versionsnummer der höchsten HDMI-Schnittstelle (wenn ein TV z.B. HDMI 2.0 und HDMI 2.1 besitzt), die maximale Kombination von Auflösung und Bildwiederholungsrate („4K@120Hz / 8K@60Hz“ wäre z.B. das Maximum) und darunter ein Haken bei den unterstützten Features. Wir würden den Herstellern sogar zusätzliche Infos mit Asterisk-Sternchen zugestehen, wenn Features erst mit einem Firmware-Update nachgeliefert werden. Dann sollte jedoch der Zeitrahmen angegeben werden, damit Hersteller dem Kunden Features nicht Monate oder sogar Jahre vorenthalten (wir schauen in eure Richtung Sony).
Wie denkt ihr über die Pläne der HDMI Licensing LLC? Viel Wirbel um nichts, oder vorprogrammiertes Chaos?









