Während 3D im Kino immer noch ein relevanter Standard ist, verzichten TV-Hersteller seit 2017 komplett auf dieses Feature. Könnte die nächste 3D-Generation mit 60p/HFR wieder für 4K Fernseher interessant werden?
Der letzte 4K Fernseher mit 3D Wiedergabe (Aktiv) war der Panasonic EXW784 aus dem 2017 TV-Lineup. Alle anderen Hersteller hatten das Nischen-Feature bereits aus ihrem Portfolio verbannt. Das 3D auf TV-Geräten nicht so wirklich durchstarten konnte, hat sicherlich mehrere Gründe. Es gab unterschiedliche Techniken mit unterschiedlichen Brillen, die dem Kunden natürlich die Auswahl erschwerten. Zudem waren TV-Geräte zur Hochzeit von 3D nicht nur kleiner, die durchschnittliche Bildschirmhelligkeit konnte sich auch nicht mit einem aktuellen 4K Fernseher mit LCD oder OLED-Panel messen. Kein Wunder, dass das Feature auf kurz oder lang verschwand. Einzig Heimkino-Projektoren und VR-Brillen sind noch in der Lage dreidimensionale Inhalte darzustellen. Letztere liefern sicherlich einen sehr guten Tiefeneffekt, beim Thema Komfort und Handling fällt so eine VR-Brille durch – wie soll man denn zur Chipstüte/Bier greifen können, wenn man die Augen verdeckt hat?
Die Qualität der Filme schwankte zudem extrem. Nach dem großen Erfolg von „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ wurde der Markt förmlich mit 3D-Filmen überschwemmt. Viele davon wurden im nachhinein auf eine dreidimensionale Darstellung getrimmt. Das sieht man den Titel natürlich an. Zudem waren die 3D-Darstellungen auf 24p begrenzt. Schlieren und Ghosting-Effekte bei actionreichen Szenen waren also keine Seltenheit.
Kinofilme in 4K/3D mit 120p

Die jüngsten Berichte zu Ang-Lees „Gemini Man“ haben uns ins Grübeln gebracht. Der Film wird von Paramount vertrieben und liegt in 4K 3D mit 120fps vor. Die gleichen Spezifikationen hatte auch „Die irre Heldentour des Billy Lynn“. In den Kinos wurde der Film um Billy Lynn nur in 2K 3D mit 48fps im Kino gezeigt. Auf 4K Blu-ray war die Wiedergabe auf 4K/60p beschränkt. Der Film floppte nicht nur im Box-Office, sondern auch in der Zweitverwertung auf Disc. Irgendwie komisch, da das Medienfeedback nach dem Debüt-Screening in 4K/3D/120p mit „absolut spektakulär“ zusammengefasst werden konnte.
„Gemini Man“ mit Will Smith in der Hauptrolle soll es diesmal richtig machen. Der Filmverleih von Paramount Pictures hat Kinobetreiber angeschrieben um ihnen mitzuteilen, dass der Film in 2D/120p und 3D/60p veröffentlicht wird. Die Lichtspielhäuser sollen nun prüfen, ob ihre Projektionstechnik in der Lage ist, die Filmpakete nativ wiederzugeben. Eine Wiedergabe in 4K Auflösung mit 120p und 3D wäre in so kurzer Zeit wohl zu viel verlangt, weshalb eine solche Version nicht angeboten wird. Regisseur Ang Lee ist sich jedoch sicher, dass HFR mit 60/120Hz die Zukunft des Kinos sein wird.

Ein neuer 3D-Standard muss her!
Doch wie bringt man 3D der nächsten Generation ins Heimkino? Womöglich spielen hier die Dolby Laboratories eine Rolle. Das Unternehmen ist bei der Bild (Dolby Vision) und Audiowiedergabe (Dolby Atmos) ganz weit vorne. Beide Technologien können nicht nur im Kino, sondern auch auf den 4K/8K Fernsehern zuhause eingesetzt werden. Und wie wäre es da, wenn Dolby mit einem eigenen, neuen 3D-Standard um die Ecke kommt?
Angeblich gab es Aussagen von LG Ingenieuren auf der letztjährigen IFA, dass 3D in Zukunft wieder eine Rolle spielen könnte. Auch James Cameron, Regisseur von „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ glaubt, dass in naher Zukunft Projektoren und Fernseher 3D ohne Brille darstellen können. Cameron arbeitet übrigens sehr eng mit den Dolby Laboratories zusammen. Vielleicht arbeitet man bereits hinter verschlossenen Türen ein einer kompletten „Dolby Home Experience“ bestehend aus „Dolby Vision“, „Dolby Atmos“ und „Dolby 3D“.

„Dolby 3D 2.0“?
Vielleicht ist das dem ein oder anderen zu weit her geholt, doch was passiert, wenn es keine wirklichen Verbesserungen mehr im TV- und Projektoren-Markt gibt? Die Industrie klammert sich gerade an HDMI 2.1 und 8K und hofft dadurch das Interesse hoch zu halten. Beide Technologien bringen dem Zuschauer aber nicht viel, wenn man reguläre Filme & Serien in 4K/HDR Qualität darstellt. Ein neuer 3D-Standard könnte dagegen ein echtes, neues Seherlebnis liefern. „Dolby 3D 2.0“ würde von vielen TV-Herstellern sicherlich mit offenen Armen empfangen. Es stellen sich jedoch die üblichen Hürden in den Weg. Standards müssten geschaffen werden und auch die technische Umsetzung mit oder ohne 3D-Brille ist zu bewältigen.
Zeit für ein Revival?
3D kommt und geht. Zumindest war es die letzten Jahrzehnte so. Vielleicht schafft es die Industrie in einem letzten Anlauf eine gute dreidimensionale Bilddarstellung für Kino und Heimkino bereitzustellen. Wir persönlich würden dies zumindest begrüßen. Was denkt ihr darüber? Sollte man 3D in Ruhe sterben lassen, oder ist die Zeit reif für ein Revival?









