Die meisten TV-Geräte sind laut den neuen EU-Energielabels wahre Stromfresser. Kein Wunder, verschlingen High-End-Fernseher gerne mal 200 Euro im Jahr an Stromkosten!
Wir hatten ja bereits über die neuen Energieeffizienzklassen der Europäischen Union berichtet. Auf den neuen Energy-Labels wird neben dem Stromverbrauch im normalen SDR-Modus der Stromverbrauch im HDR-Modus separat ausgegeben. Zudem wurden die Kategorisierungen „A+“, „A++“, „A+++“ entfernt. Somit beginnt die Einstufung mit „A“ (grün) und endet mit „G“ (rot). Und siehe da, nach der neuen Verordnung werden die meisten TV-Geräte als „Stromfresser“ eingestuft. Kaum ein TV-Gerät ab 55 Zoll, egal ob mit EDGE-LED, direktem LED-Backlight oder OLED, schafft eine bessere Einstufung als „G“. Z.B. der Mid-Range QLED TV Q70T aus 2020 mit 55 Zoll, der laut der alten Verordnung noch mit „A“ (hellgrün) eingestuft war, ist jetzt ein Modell mit tiefrotem „G“-Energielabel. Ähnlich verhält es sich auch bei den beliebten OLED-TVs, egal von welchem Hersteller.

Schluss mit der Augenwischerei – „G“ ist das neue „A“
Da ist doch ein genauerer Blick auf die Sachlage erlaubt. Ich persönlich finde, dass die „A+“, „A++“ und „A+++“-Einstufungen totaler Schwachsinn waren. Kunden wurden damit hinters Licht geführt. Energielabel „A“ hörte sich klasse an und verleitete den ein oder anderen Kunden mit ökologischem Bewusstsein zum Kauf. Am Ende handelt es sich jedoch um ein Gerät mit einem bestenfalls ausgewogenem Stromverbrauch. Die neuen EU-Labels liefern hier eine ehrlichere Kundenkommunikation, doch selbst die überarbeitete Variante beschönigt den Energieverbrauch.
Denn der Verbrauch der durchschnittlichen kWh im SDR und HDR-Modus werden lediglich für 1.000 Betriebsstunden angegeben. Die durchschnittliche TV-Nutzung eines europäischen Bürgers liegt aber bei fast 4 Stunden pro Tag, also 1.460 Stunden. In Deutschland verbrachten TV-Haushalte rund 1.340 Stunden im Jahr 2020 vor dem Fernsehgerät. Doch wie viel kostet uns eigentlich der Fernsehgenuss? Ein Extrembeispiel gefällig?
Stromkosten zwischen 100 und 200 Euro keine Seltenheit
Wer sich einen 85 Zoll 8K QLED TV der Q950T-Serie von Samsung gegönnt hat, muss mit einem Stromverbrauch zwischen 520 und 540 kWh (SDR / HDR) pro 1.000 Betriebsstunden rechnen. Skalieren wir die 530 kWh nach oben und passen den Wert an die durchschnittliche, tägliche Fernsehdauer eines deutschen TV-Haushalts an (1.340 Stunden), kommen wir auf 710 kWh im Jahr. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 31 Cent pro kWh sind das 220 Euro per Anno. Wir haben nachfolgend die Stromkosten für beliebte TV-Modelle aus 2020 mit obiger Rechnung aufgeschlüsselt. Dabei nutzen wir den Mittelwert zwischen SDR- und HDR-Verbrauch:
| Modell | Stromverbrauch Jahr | Stromkosten Jahr |
| LG CX OLED 48 Zoll | 150 kWh | 46 Euro |
| LG CX OLED 55 Zoll | 233 kWh | 72 Euro |
| LG CX OLED 77 Zoll | 324 kWh | 100 Euro |
| LG ZX 8K OLED 88 Zoll | 594 kWh | 184 Euro |
| Samsung Q950T 8K QLED 85 Zoll | 710 kWh | 220 Euro |
| Samsung Q950T 8K QLED 65 Zoll | 568 kWh | 176 Euro |
| Samsung Q95T 4K QLED 85 Zoll | 586 kWh | 181 Euro |
| Samsung Q95T 4K QLED 65 Zoll | 357 kWh | 110 Euro |
| Samsung TU7009 4K TV 75 Zoll | 273 kWh | 84 Euro |
| Sony XH95 4K TV 55 Zoll | 257 kWh | 79 Euro |
| Sony XH90 4K TV 55 Zoll | 251 kWh | 77 Euro |
In der Aufstellung können wir sehr schön erkennen, wie sich die Stromkosten eines OLED-Fernsehers fast linear zur Zollgröße nach oben schrauben. Dabei schneiden die Geräte mit selbstleuchtenden OLED-Pixeln noch weitaus besser ab (zumindest im 4K-Segment), als Samsungs QLED-Modelle mit direktem LED-Backlight. Hier zahlt man für die Top-Modelle ab 65 Zoll im Durchschnitt um die 100 Euro für Strom im Jahr. Wir sind hier lediglich auf den finanziellen Aspekt eingegangen. Was dies für ökologische Auswirkungen hat, müsste man in einem eigenen Beitrag erörtern. Wenn man bedenkt, dass die „Always-On“-Funktion der neuen Spielekonsolen in den USA allein so viel Strom verbraucht, wie ein großes Kohlekraftwerk im Jahr (500 MW), kann einem schon schwindelig werden.
Mir persönlich war es wohl gar nicht so bewusst, wie sich der Verbrauch eines Fernsehers auf meine Stromrechnung auswirken kann. Wie sehr achtet ihr auf den Stromverbrauch? Habt ihr euren TV womöglich aufgrund der alten EU-Klassifizierung ausgewählt? Und war euch bewusst, wie viel Strom euer TV-Gerät verbraucht? Schreibt uns gerne einen Kommentar!









