Die Drosselung der Bitraten nimmt bei Disney+ unschöne Formen an. Videostreams werden nicht mehr in den angegebenen Auflösungen (4K, HD) wiedergegeben und es gibt keine Möglichkeit für Abonnenten dies zu prüfen.
Wer einen Stream mit 4K oder HD startet darf doch erwarten, dass dieser in der angegebenen Bildqualität wiedergegeben wird. Das ist beim neu gestarteten Streamingservice Disney+ leider nicht der Fall. Wir wissen bereits, dass alle großen Streaminganbieter ihre Übertragungsraten gedrosselt haben. Dabei berufen sich die Unternehmen auf einen Aufruf des EU-Kommissar Thierry Breton, der die Dienste dazu aufrief in Hinblick auf die Coronakrise deren Bitraten zu reduzieren, um die Infrastruktur des Internets nicht zu überlasten. Gesagt getan. Netflix, Prime Video, Youtube und Disney+ folgten dem Aufruf, denn: weniger Traffic bedeutet weniger Kosten. Doch was Disney+ hier abzieht, grenzt schon fast an Betrug.
Disney Plus: Kein Atmos und WQHD statt 4K
Aufgrund der gedrosselten Bitrate liefert Disney+ aktuell keinen Dolby Atmos 3D Sound aus. Das ist vielleicht noch zu verkraften, haben viele Nutzer eh keine Dolby Atmos-fähige Soundanlage bzw. nur der Originalton liegt in Dolby Atmos vor. Jedoch schummelt Disney+ auch gewaltig bei der Auflösung. Titel die in 4K angepriesen werden, laufen in der erwarteten Auflösung von 3.840 x 2.160 Bildpunkten über das Display, sondern lediglich mit 2.560 x 1.440 Pixeln! Das ist eine Reduzierung der Gesamtpixel um rund 56 Prozent!

720p statt Full-HD
Ähnlich verhält es sich auch bei HD (Full HD) Streams auf Disney+. Hier wird von 1.920 x 1.080 Bildpunkten, was der Qualität einer Blu-ray entspricht, auf lediglich 1.280 x 720 Bildpunkte reduziert. Ebenfalls eine Reduzierung um 56 Prozent! Und ja diese Reduzierungen können wir mit dem bloßen Auge sehen. Bei Netflix ist die Bitrate des Videostreams ebenfalls reduziert, es werden jedoch die nativen 3.840 x 2.160 Bildpunkte ausgegeben. Jetzt kann man sich natürlich streiten was am Ende besser aussieht. Denn bei beiden Streamingdiensten ist die Artefaktbildung zum Teil deutlich erkennbar, da sich die Bitrate des Videostreams in etwa auf dem gleichen Niveau befindet (8-10 Mbps).

Die Amerikaner sind übrigens von der Drosselung nicht betroffen. Nico von Surround-Sound.info hat auch gleich die Gegenprobe gemacht und sich über einen VPN auf einen US-Account von Disney+ eingewählt. Dort wird nicht nur Dolby Atmos 3D Sound ausgegeben, auch der Videostream wird nativ in 4K und HD (1080p) dargestellt – bei voller Bitrate.
Was haltet ihr davon? Ist die Drosselung eurer Meinung nach gerechtfertigt und wenn ja, sollte Disney+ zumindest die Kommunikation gegenüber seinen Kunden verbessern und die Titel nur in dieser Qualitätsstufe ausweisen, in der sie auch gestreamt werden?




