In den vergangenen Tagen machen Meldungen die Runde, dass die Formel 1 zeitnah die Fernsehübertragung in 8K-Qualität forcieren möchte. Dabei skizzieren die Verantwortlichen ein Szenario, welches nicht ferner von der Realität sein könnte.
Die Formel 1 präsentiert sich gerne als Innovationsträger im Hinblick auf Übertragungsqualität. Man möchte seinen Fans den rasanten Motorsport in bestmöglicher Qualität präsentieren und so verwundert es kaum, dass bereits 2017 erste Rennen in knackscharfer 4K-Qualität produziert und übertragen wurden. Jetzt möchte man laut dem offiziellen Übertagungspartner Tata Communications den nächsten Schritt wagen, welcher 8K heißt. Im Beitrag auf motorsport.com heißt es: „Die neuen Bilder wären viermal schärfer als die aktuellen Übertragungen und obwohl das angesichts der derzeitigen Auflösung als unnötiger Schritt erscheinen mag, hört das Streben nach Verbesserung nie auf.“.
Ponda: „Ich denke, dass der Übergang zu 8K… gut voranschreitet„
Wir stimmen zu, dass die Entwicklung, auch in der Entertainment-Branche, irgendwie weitergehen muss – jedoch in die richtige Richtung. Dhaval Ponda, Vizepräsident und Global Head Media & Entertainment Business bei Tata Communications, skizziert eine Zukunft, in der der Sprung zu 8K den einzig logischen und richtigen Schritt darstellt: „Was sich in den letzten Jahren allmählich ereignet hat, ist, dass das Publikum weltweit, in fast jedem Teil der Welt, sich daran gewöhnt hat, Inhalte in 4K zu haben. Und für die junge Generation ist dies nun der Maßstab.“. Und weiter: „Ich denke, dass der Übergang zu 8K in der Branche tatsächlich recht gut voranschreitet. Und es wird definitiv geschehen, denn für die aktuelle Generation, die sich an 4K gewöhnt hat, wird 8K wirklich feinere Details und ein höheres Qualitätsniveau bieten.“.
Drei „einfache“ Schritte für eine Formel 1 in 8K

Ponda möchte seine 8K-Pläne in drei Schritten umsetzen. Dabei muss eine digitale Infrastruktur geschaffen werden, welche natürlich hohe Investitionen nach sich ziehen. Als zweiten Schritt müssen die Technologiepartner ein funktionierendes 8K-Ecosystem auf die Beine stellen. Und zuletzt müssen die Preise für 8K-Geräte soweit sinken, dass der Endkunde den Sprung auf die nächste Qualitätsstufe finanziell stemmen kann: „Wir müssten 8K-Bildschirme und 8K-Fernseher zu einem kostengünstigen Preis haben, den die Verbraucher akzeptieren können. Aber das geschieht auch ziemlich schnell.“, so Ponda weiter.
Realitätsfremde Mutmaßungen
Man muss davon ausgehen, dass Ponda seine 8K-Pläne lediglich mit seinem subjektivem Gefühlt untermalt und sich nicht wirklich mit der Marktsituation auseinandergesetzt hat. Denn diese zeigt, dass 8K meilenweit davon entfernt ist, sich in einem Markt als Standard zu etablieren. Zu Beginn des „8K-Booms“, überschlugen sich die Marktanalysen förmlich und skizzierten eine blühende Zukunft für 8K. Diese wurden in den vergangenen Jahren immer weiter nach unten revidiert. Sogar so weit, dass man davon ausgehen muss, dass 8K im Kino, Heimkino und Wohnzimmer nie eine wichtige Rolle spielen wird. Laut jüngsten Marktforschungen liegt der Marktanteil von 8K im TV-Markt wohl bei unter einem Prozent. Und nicht nur das, immer mehr Hersteller sind bereits komplett aus dem 8K-Game ausgestiegen, wobei eigentlich nur noch Samsung an dem Standard festhält. Zudem gibt es einige Projektionssysteme mit 8K-Auflösung, diese profitieren jedoch eher davon, dass ein nativer 4K-Chip verbaut ist, als von der 8K-Auflösung selbst.

In Hollywood, beim Streaming und Fernsehen sowie beim Gaming sieht es nicht anders aus. 8K ist hier förmlich nicht existent. Und das liegt nicht daran, dass man dem Format keine Chance geben möchte. Für die meisten Einsatzgebiete eignet sich 8K einfach nicht, da die hohe Anzahl von Details bei schnellen Bewegungen (z.B. Kameraschwenks bei der Formel 1) unweigerlich zu Schlieren und Bildstottern. Genau aus diesem Grund besteht 8K-Demomaterial größtenteils aus Drohnenaufnahmen oder statischen Kamerapositionen ohne viel Bewegung. Wer sich in dieses Thema einlesen möchte, findet hierzu auch genug, fundiertes Material online.
4K@120Hz statt 8K
Die Formel 1 nimmt mit 8K definitiv die falsche Ausfahrt und wenn man schon über eine Verbesserung der visuellen Übertragungsqualität nachdenkt, dann sollte man doch eher eine Erhöhung der Bildwiederholungsrate ins Auge fassen. Denn im Gegensatz zu 8K-Auflösung, ist ein Großteil der 4K-Geräte bereits mit einem Display mit 100/120Hz ausgestattet. In vielen TV-Serien, z.B. Geräte mit OLED-Display, gibt es mittlerweile überhaupt keine Modelle mehr, ohne 100Hz-Panel. Ähnlich sieht es auch im LCD-Segment aus. Hier wird das 100/120Hz-Feature mittlerweile sogar im Einstiegs-Segment implementiert.
Weiter äußert sich Ponda übrigens zum Thema Verzögerung bei der Übertragung. Hier stimmen wir seinen Ansichten zu, dass hier jede Millisekunde zählt und die Reduzierungen von Übertragungsverzögerungen, sowie eine „Synchronisation“ aller Übertragungswege, wichtig ist, um allen Nutzern ein perfektes Rennerlebnis bieten zu können.

































































































































































