Das Kino war bereits vor der Corona-Krise leicht angeschlagen. Nun besteht Unsicherheit, ob es noch nach der Pandemie einfach wie gewohnt weitergehen kann.
So ruhte sich das Kino zu lange auf seinem technischen Stand aus: Während im Heimkino nicht nur 4K-Auflösung, HDR und Dolby Atmos die Oberhand gewannen, verwendeten die meisten Lichtspielhäuser noch 2K-Projektion und Dolby Digital – HDR ist über Projektoren ohnegin technisch kaum adäquat umsetzbar. Mittlerweile modernisiert man zwar, doch viele Menschen sind mittlerweile im Wohnzimmer mit immer größeren und hochwertigeren TV-Geräten und Soundsystemen auf hohem Niveau versorgt. Das Kino punktet da mittlerweile weniger mit seiner Technik, sondern mit der gemeinschaftlichen Erfahrung.
Aber reicht das aus, um in Zukunft die Masse der Kunden zu erreichen? In der Corona-Krise haben sich viele Zuschauer daran gewöhnt, die Inhalte ihrer Wahl im Heimkino zu konsumieren. Und die Studios bevorzugen dies ebenfalls immer stärker, denn ohne die Kinobetreiber als Mittelsmänner erreichen sie höhere Margen. Für große Blockbuster wird weiterhin ein Kinofenster wichtig sein, um die Hunderte Mio. Kosten für Produktion und Marketing wieder einzunehmen. Doch insgesamt schrumpft die Rolle des Kinos.

Immer noch haben viele Betreiber Schwierigkeiten sich in Zeiten der Corona-Einschränkungen über Wasser zu halten. Denn selbst die Fans des Kinos, die gerne die Säle besuchen, finden wenig Gefallen daran sich mit Masken in die Sitze zu schieben. Viel Durchhaltevermögen bleibt aber gerade kleineren Kinos nicht mehr. Ob kommende Filme wie „Eternals“, „Dune“ oder auch der just gestartete „Free Guy“ einen Paradigmenwechsel bringen?
Ist das Kino die neue Videothek?
Schon die Videotheken fielen mit ihrem Geschäftsmodell Download- und Streaming-Portalen zum Opfer. Wird das Kino der nächste Kollateralschaden? Warner mit HBO Max, Universal mit Peacock oder auch Paramount mit Paramount+ bereiten sich auf eine Zukunft vor, in der sie ihren eigenen Streaming-Portalen die größte Aufmerksamkeit schenken. Das hat Disney ja mit Disney+ vorgelebt.
Vor 2022 wird sich das Kino ohnehin nicht vollständig erholen können, denn bis dahin wird uns die Pandemie mindestens begleiten. Und die Hollywood-Studios haben ihre exklusiven Zeitfenster für Kinos bereits vom ehemaligen Standard von 75 bis 90 Tagen auf 45 Tage verkürzt. Nun heißt es abwarten, 2022 wird für das Kino wohl ein entscheidendes Jahr sein.







