Wie Disney bekannt gegeben hat, wird die 200 Millionen teure Live-Action-Verfilmung von „Mulan“ nicht in die Kinos kommen, sondern direkt digital über den Streamingdienst Disney+ angeboten.
Ab dem 4. September 2020 können Disney+ Abonnenten in den USA den neuen Blockbuster „Mulan“ mit „Liu Yifei“ in der Hauptrolle, für 29.99 US-Dollar kaufen. Laut Informationen aus dem Q3 Earnings Call von Disney wird der Film auch in Kanada und westeuropäischen Ländern, somit auch in Deutschland über Disney+ angeboten. Wir spekulieren beim Preis auf eine 1-zu-1 Umrechnung in Euro, also 29.99 €. Ein happiger Preis, zumindest auf den ersten Blick.
Ist die Kaufgebühr für „Mulan“ zu hoch?
Denn für den Betrag bekommt man Zugang zu einem bislang unveröffentlichten Kinofilm. Man darf die 30 Euro/Dollar also nicht mit den gewohnten Leih- und Kaufpreisen für digitale Filme verwechseln, sonst fühlt sich die Gebühr natürlich überzogen an. Am Ende muss man sich den Preis auf jeden Fall etwas schönrechnen. Mit mehreren Freunden oder der Familie (natürlich mit ausreichend Abstand und unter Einhaltung der Hygieneregeln) verkleinert sich der Preis pro Person schon einmal drastisch. Die Fahrt zum Kino (was nicht immer direkt in der Nähe ist) entfällt – Zeit gespart. Und die Snack- und Getränkeauswahl ist Zuhause nicht nur günstiger, sondern auch noch vielfältiger. Und wer dann noch ein gutes Heimkino-System sein eigen nennt, wird den Gang ins Kino vielleicht gar nicht vermissen.
Will you rent #Mulan on Disney Plus for $29.99?
— Variety (@Variety) August 4, 2020
Obwohl, die Atmosphäre, den Event-Charakter und die Sound-Ausstattung (Die Bilddarstellung ist bei Heimkino-Projektoren und 4K/8K Fernsehern oft besser) kann man in den eigenen vier Wänden nur schlecht nachbilden – außer man hat sich ein richtig gutes Heimkino gebaut.
Ein weiterer Rückschlag für die Kinos
Die Entscheidung, den Film vorerst rein digital zu verwerten kommt einem Fautschlag ins Gesicht für die Kinoketten gleich. Die AMC Theaters in den USA haben sich im September auf einen neuen Anlauf mit Chistopher Nolans „TENET“ und „Mulan“ eingestellt. Ob Kinoöffnungen aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation in den USA angemessen ist, steht auf einem anderen Blatt. So stehen die Kinoketten wieder ohne zugkräftiges Programm da und können so auch nicht beweisen, dass ausreichend Einnahmen für die Filmstudios generiert werden können.
Skeptisch, dass große Blockbuster-Produktionen genug Gäste anlocken können, verschieben alle Hollywood-Studios ihre teuren Projekte weiter nach hinten. Es wird also nicht besser. Doch was möchte Disney eigentlich mit der „Mulan-Aktion“ bezwecken? Wir denken, hierbei handelt es sich um so etwas wie einen Feldversuch: Kann eine teure Produktion auch rein digital funktionieren? Zudem braucht Disney Geld und gute Zahlen um seine Anleger zufriedenstellen zu können. Womöglich soll der Titel auch weitere Abonnenten zu Disney+ locken. Laut Spekulationen der Variety wird die Rechnung jedoch nicht aufgehen können. Rund 150 Millionen US-Dollar Umsatz in den ersten 3 Wochen könnten maximal umgesetzt werden. Als Basis für die Berechnung wurde der Animationsfilm „Trolls 2: World Tour“ genommen, der rein digital rund 77 Millionen US-Dollar erwirtschaftete.
Disney geht über (Kino-)Leichen
Disney ist dafür bekannt nicht gerade zimperlich zu sein, wenn es darum geht neue Wege zu gehen – egal wie toll/schlecht es die Fans finden. So hat das Unternehmen bereits die Verwertung von Katalogtiteln auf 4K Blu-ray eingestampft und sollte Mulan richtig gut funktionieren, ist Disney die einstige Freundschaft mit der Kinolandschaft sicherlich ganz schnell egal.









