4K-Gaming bleibt mittlerweile nicht nur High-End-Gaming-PCs vorbehalten, sondern ist auch an Spielekonsolen möglich. Allerdings stößt diese Konsolengeneration dabei an ihre Grenzen. Und oft müssen sich Spieler und Entwickler entscheiden: Arbeitet man lieber mit einer höheren Auflösung oder mit höheren Bildraten bzw. stabilerer Performance?
So ist aktuell etwa um den Triple-A-Titel „Anthem“ von Bioware eine entsprechende Debatte entbrannt. Das Spiel läuft auf der PS4 Pro nämlich in einer niedrigeren Auflösung als auf der Xbox One X – bietet dafür aber stabilere Bildraten. Deswegen muss man sich bei diesem Game entscheiden: Lieber eine höhere Auflösung, natives 4K an der Xbox One X, dafür aber öfter Framerate-Einbrüche, oder stabilere 30 fps, dafür bei eingeschränkterer Bildqualität an der PS4 Pro.
Im Falle von „Anthem“ ist an der Konsole von Sony zudem der Vorteil, dass die Entwickler von Bioware an der PS4 Pro auch für Spieler die Option bereitstellen im Menü einen 1080p-Modus auszuwählen. Leider fehlt diese Möglichkeit aber an der Xbox One X. So nutzt die PS4 Pro im Falle des 1080p-Modus die offene Mehrleistung, um die Framerates absolut stabil zu halten. Das ist besonders für Besitzer älterer Full-HD-TVs eine sinnvolle Alternative.
Doch „Anthem“ ist nicht das einzige Spiel, das die PS4 Pro und die Xbox One X an die Grenzen führt. Das ebenfalls erst vor kurzem erschienene „Kingdom Hearts 3“ schafft weder an der PS4 Pro noch an der Xbox One X eine native 4K-Auflösung, sondern läuft jeweils in 1080p bzw. 1440p – in beiden Fällen mit einer offenen Framerate. So sind auch offene Framerates in einigen Titeln an PS4 Pro und Xbox One X an der Tagesordnung. Auch das ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Denn so erhält man zwar höhere Bildraten als 30 fps, muss aber ein unausgewogenes Frame Pacing hinnehmen.
Im Klartext bedeutet das, dass einige Frames länger angezeigt werden als andere. Dadurch fühlt sich das Gameplay ungleichmäßig an, die Reaktionen auf Eingaben passen teilweise nicht. Doch das ist ein Effekt, der dem einen Spieler mehr auffällt als dem anderen. Beispielsweise lief „Anthem“, genau wie „Kingdom Hearts 3“, vor dem Day-One-Patch mit einer offenen Framerate an der PS4 Pro. Das führte aber zu einer sehr instabilen Spieleerfahrung.
Auflösung und Performance: Nur wenige Titel bewältigen den Spagat
Es gibt allerdings auch einige Titel, welche die Balance perfekt bewältigen. „Red Dead Redemption 2“ etwa läuft auf der Xbox One X mit nahezu perfekten 30 fps und in nativem 4K. Das ist besonders beeindruckend, weil gerade dieses Open-World-Spiel technisch der aktuell vielleicht fortgeschrittenste Titel in der Konsolenwelt ist.
Auch Ubisoft hat ein Paradebeispiel auf Lager: Genau genommen sind es sogar zwei Paradebeispiele, denn sowohl „Far Cry 5“ als auch „Far Cry New Dawn“ laufen auf der Xbox One X in nativem 4K bei sehr stabilen 30 fps. Es hängt also auch sehr stark von den Entwicklern bzw. deren Optimierungen und der verwendeten Engine ab, was sich noch aus der aktuellen Konsolengeneration herausholen lässt. „Far Cry 5“ hatten wir ja auch in einem Beitrag zu 4K-Games für die Xbox One X als einen der Referenztitel genannt.
Auch Microsoft selbst hat da Ende 2018 mit „Forza Horizon 4“ (hier unser Anspielbericht) einen Volltreffer gelandet: Der Open-World-Racer macht im Grunde alles richtig. Denn man kann sich entscheiden, ob man das Spiel nativ in 4K mit absolut stabilen 30 fps zockt oder aber nur in 1080p dafür aber mit ebenfalls felsenfesten 60 fps. Genau diese Entscheidungsfreiheit sollten im Idealfall alle Games bieten.
PS5 und Xbox Scarlett: 4K mit 60 fps als neuer Standard?
Aktuell rechnet man damit, dass die nächsten Konsolengenerationen von Sony und Microsoft 2020 erscheinen dürften. Ob sie dann 4K-Spiele mit 60 fps zum Standard erheben? Theoretisch könnte man die Problematik natürlich mit mehr GPU- und CPU-Power sowie erweitertem RAM lösen. Doch es ist auch bei den PlayStation 5 und der Xbox Scarlett eher unwahrscheinlich, dass wir uns auf 4K-Gaming mit 60 fps verlassen können.
Woran das liegt? Naturgemäß entscheiden sich die Entwickler meist für andere Optionen: Man zaubert mehr Effekte auf den Fernseher und nutzt neue Technologien – etwa Raytracing, welches für die nächste Xbox wohl ein großes Thema werden könnte. Auch der Blick zurück hilft weiter: Die meisten Spiele an der PS3 und Xbox 360 liefen nativ noch mit 720p und 30 fps. An der PS4 und Xbox One ging man weitgehend, aber auch nicht für alle Games, zu 1080p mit 30 fps über.
Die Zwischen-Generation der PS4 Pro und Xbox One X schwanken nun zwischen der Darstellung von Auflösungen von 1440p bis hin zu nativem 4K. Doch die Titel die sowohl 4K als auch 60 fps bieten, kann man an einer Hand abzählen – „Forza Motorsport 7“ wäre eines der wenigen Beispiele.
So vermuten wir, dass PS5 und Xbox Scarlett zwar das Gros der Games wohl nativ in 4K berechnen dürften, aber sicherlich bei 30 fps verbleiben. Zudem dürften auch Spiele mit 1440p weiterhin eine Rolle spielen, wenn es sich anbietet statt einer höheren Auflösung eben Effekte wie Raytracing zu verwenden. Doch was wäre euch lieber: Lieber eine möglichst hohe Auflösung? Möglichst hohe Bildraten? Oder die modernsten Grafikeffekte auf dem 4K-TV?